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Hat der trojanische Krieg wirklich stattgefunden?

Hat der trojanische Krieg wirklich stattgefunden?

Donnerstag, 04. April 2019

Eigentlich ist Norbert Kleinschmidt ein ruhiger und bedächtiger Mann. Der 64-jährige ehemalige Grund- und Hauptschullehrer hat die Leidenschaft des Schreibens für sich entdeckt. Doch in seinem dritten Buch rechnet Kleinschmidt radikal mit einem „europäischen Gründungsmythos“ ab. „Helena“, so heißt der im Selbstverlag erschienene „archäologische Krimi“, in dem sich alles um die Archäologen-Legende Heinrich Schliemann, um den trojanischen Krieg und die Geschichte der Helena, der schönste Frau der Welt, dreht.

 

Kleinschmidt war schon als Kind von den Sagenwelt Homers entzückt, begeisterte sich für antike Helden wie Achill und Odysseus, doch jetzt ist es für ihn an der Zeit die verschobene Perspektive geradezurücken. „Der östliche Raum, die Perser, und die sich dahinter verbergende Welt kommt in der historischen Betrachtung eigentlich gar nicht vor, und wenn dann nur als äußere Bedrohung des Abendlandes“, kritisiert der Autor.

Die Wurzel der europäischen Kultur verortet er stattdessen zu einem großen Anteil im Osten. „In Babylon, bei den Hethitern, den Lyder, den Persern“, stellt er klar. Eine Sicht, die etwa von der türkischen Forschung akzentuiert werde. „Die sehen das in Auseinandersetzung mit dem traditionellen griechischen Bild aus anderem Blickwinkel.“

Auch in Bezug auf Heinrich Schliemann kommt Kleinschmidt zu drastischen Aussagen. „Schliemann war ein Dieb“ stellt Kleinschmidt unverhohlen fest und knüpft an an die wieder aufkeimende öffentliche Diskussion um koloniale Raubkunst. „Der Pergamon-Altar etwa ist und bleibt in Berlin, da denkt keiner an eine Rückgabe.“

Kleinschmidts spannende Geschichte will zum einen die Erinnerung an den trojanischen Krieg wachhalten,  „dennoch ist die wohl ein historischer Fake“, ist er sich sicher.  Die Geschichte des klassischen Griechenlands muss nach seiner Meinung in eine neue, den Osten stärker einbeziehende Betrachtung eingebunden werden.

„Eine Ehrenrettung für Xerxes und die angebliche Gefahr aus den Osten, die die westliche Kultur bedroht haben soll. Entwicklungen und Denkweisen, die sich bis heute tradiert haben. Zeit für einen Perspektivwechsel.“

Eingebunden hat Kleinschmidt das alles wieder in einen spannend zu lesenden Roman, der obendrein noch mit einer kleinen Liebesgeschichte garniert ist.

Die Zielgruppe? „Natürlich Leser von spannenden Handlungen, aber auch jene, die die klassischen Mythen der Griechen mit neuer kritischer Distanz erleben wollen.“

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