Druckzentrum

09.10.2009 20:43 - Zeitung

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Die Maschine ist gewaltig. Die Rotationsdruckanlage Geoman 3/8 vom Augsburger Druckmaschinenhersteller MAN Roland ist ein technisches Meisterwerk. Der Koloss ist 14 Meter hoch, bringt 120 Tonnen auf die Waage und füllt eine ganze Halle im DEWEZET-Druckzentrum am Hottenbergsfeld aus. Kaum zu glauben, dass das Druckmonster stündlich bis zu 37500 vierfarbige Zeitungsexemplare mit einer auf jeder Seite unerhört präzisen Deckungsgleichheit ausspucken kann. „Die Maschine arbeitet mit vier Zylindern auf zwei Etagen“, erklärt Drucker Eduard Pansegrau, der zusammen mit seinem Kollegen Marc Christel gerade Wartungsarbeiten vornimmt. Eine neue Tropffolie wird eingebaut, was für den Laien so ein bisschen aussieht wie ein Ölwechsel beim Auto.

Während Pansegrau und Christel schrauben, sorgt in einem in gelbes Licht getauchtem Nebenraum Christian Hofmann dafür, dass die als Dateien via Computer angelieferten Zeitungsseiten auf beschichtete Alu-Platten übertragen werden. „Jede der DEWEZET-Seiten braucht vier Platten, für jede verwendete Farbe, Schwarz, Gelb, Magentarot, Cyanblau, eine“, erklärt der gelernte Schriftsetzer. Im High-Tech-Belichter der Firma Krause aus Bielefeld härtet ein Laser die Stellen der Fotopolymer-Beschichtung, an denen später Bilder und Text stehen sollen. Im Inneren des Gerätes – das aus Sicherheitsgründen gleich zweimal vorhanden ist - werden, den Blicken verborgen, die Alu-Platten erhitzt, gewaschen, chemisch behandelt, um am anderen Ende auf einem Förderband als belichtete Druckvorlage den Raum zu verlassen. Noch schnell durch die Abkant- und Stanzmaschine, die die Seiten hunderstelmillimetergenau zentriert, dann rollen sie am Kommandostand, von dem aus alles über Flachbildschirme überwacht und gesteuert wird, weiter hinüber zur Geoman 3/8 in der Druckhalle.

„Bis zu 5000 sehr hochwertige Aluminiumplatten verbrauchen wir pro Woche“, so Hofmann. Die gebrauchten Platten landen beim Entsorger, der sie recycelt. „Die gleich bleibende Beschichtungsqualität ist für uns entscheidend“, erklärt der technische Betriebsleiter des DEWEZET-Druckzentrums, Carsten Wilkesmann. Der 45-jährige Diplomingenieur ist verantwortlich für den Druckbetrieb.

Die Rotationsmaschine ist inzwischen fertig gewartet und Drucker Willi Torno hat per Hand die Alu-Druckvorlagen für die „Aktuelle Woche“ auf die Walzen gelegt. Dann klettert er aufs Rost der obersten Etage und schon kommt aus der Tiefe des Kellers ein breites Papierband, das sich durch die zahllosen Walzen und Rollen hinauf in 14 Meter Höhe windet. Es ist wie beim Filmeinlegen in einen uralten 16-mm-Projektor, nur in ungleich größeren Dimensionen. Torno nimmt einige Feinjustierungen vor, dann fährt die gewaltige Maschine langsam an. Das sich hinüber zur Versandhalle windende Transportwerk wartet mit seinen kleinen orangefarbenen Greifern gierig auf die ersten Exemplare.

Rund acht bis zehn Rollen mit je 1,2 Tonnen Papier brauche man täglich, erklärt Wilkesmann. Typ Standard Zeitungspapier, das aus Betrieben in Schwedt, Leipzig und Lüneburg bezogen wird. „Zu 100 Prozent Altpapier übrigens“, so der Betriebsleiter. Aus 120 Kilo Altpapier werden aufbereitet wieder 100 Kilo neues Recycling-Papier. „Theoretisch kann die Faser bis zu fünfmal aufbereitet werden.“

Jetzt muss die Farbe aufs Papier. Die kommt ebenfalls aus großen Behältern im Keller. Aus drei Grundfarben können alle denkbaren Farben gemischt werden „Die sind aus Mineralöl und völlig ungefährlich“, so Wilkesmann. Rund 50 Tonnen pro Jahr werden verbraucht.

d5Mittlerweile hat die Geoman Tempo aufgenommen und spukt die ersten noch blassen Exemplare der „Aktuellen Woche“ aus. „Das ist der Anlauf, die Makulatur“, erklärt Willi Torno. Und der landet in einem riesigen Altpapiercontainer. Immer wieder greift Eduard Pansegrau in den vorbeiflitzenden Zeitungsstapel, dessen Farben immer kräftiger werden, fischt ein Exemplar heraus und prüft Farbe und Druckpräzision. Unten auf jeder Zeitungsseite sind vier farbige Kontrollpunkte. „Die zeigen uns Farbsättigung und Druckgenauigkeit, die gerade beim Vierfarbendruck enorm wichtig sind.“ Oben in der Rotationsmaschine prüft bereits ein Laser die Präzision des Druckes anhand kaum sichtbarer Minipunkte, die sich neben den vier Farbkontrollpunkten unten auf jeder Seite befinden.

„Drucker lernt man ganz normal drei Jahre lang“, so Willi Torno, doch das alte Handwerk sei etwas ganz anderes als die moderne Offset-Drucktechnik. Die ist eine Weiterentwicklung der 1789 von Alois Senefelder entwickelten Lithographie, eines Flachdruckverfahrens. Sei Ende der 60er Jahre wird die DEWEZET im Offset-Verfahren gedruckt.

„Eine doch recht vielseitige Tätigkeit, bei der es nie langweilig wird“, charakterisiert Torno seine Arbeit. Im Druckzentrum sind derzeit zwei Auszubildende beschäftigt. Zukunftschancen? „Auch in 20 oder 30 Jahren wird es noch Gedrucktes geben“, ist sich Wilkesmann sicher. Der Druckerberuf sei sicherlich starkem Wandel unterworfen, aber das mache ihn ja auch spannend und interessant.

Die Exemplare der „Aktuellen Woche“ haben jetzt in voller Farbenpracht via Transportband die Versandhalle erreicht. Hier überwacht Uwe Hahn die maschinelle Einsortierung von bis zu zehn verschiedenen Werbematerialien mittels einer großen rotierenden Trommel, dann geht es weiter über Abpack- und Etikettiermaschinen, Geräte, die eine Folie über den Zeitungsstapel werfen, ein Plastikband darum schlingen, und schon nehmen die Fahrer der vor der Halle am Ende des Laufbandes wartenden DEWEZET-Sprinter die fertigen Zeitungspakete in Empfang. Nur wenige Minuten nach deren Druck.

Ein fein abgestimmter Prozess, bei dem ein Vorgang mit höchster Präzision in den anderen greift. „Überaus sicher und kaum störanfällig“ sagt Hahn und rückt auf einen grünen Knopf, einer Art Maschinentelegraf, der den Jungs drüben an der Rotationspresse signalisiert: „Alles ok im Versand. Ihr könnt noch einen Zahn zulegen.“