Schaafstall-Konzert

08.11.2009 23:59 - Zeitung

sch3„Was für eine Stimme. Das geht einem durch und durch“, so ein Besucher der Konzertveranstaltung im Egestorfer „Schaafstall“. Mit der aus Armenien stammenden Sopranistin Liana Aleksanyan, am Klavier begleitet von Burkhard Bauche, und dem Regisseur Gert- Hagen Seebach hatten Dr. Ernst Jürgen Kirchertz und die GeTour für den spätnachmittäglichen Konzertabend unter dem Titel „Fülle des Wohllauts“ drei absolute Koryphäen ihres Faches verpflichten können.

Bild: Die Sopranistin Liana Aleksanyan begeisterte im Egestorfer Schaafstall

Nach Seebachs Lesung eines ersten Mozartsbriefes („Wie man Arien zu singen hat …“) setzte Aleksanyan die Ratschläge des Meisters in die Tat um und entfaltete ihre ganze stimmliche Kraft, angesichts der dem Publikum fast die Sinne schwanden. Schon nach der ersten Arie tosender Applaus und Bravorufe.

Als Kontrapunkt Gert-Hagen Seebach mit einem weiteren Mozartbrief („Ich will nichts mehr von Salzburg wissen!“), worauf Aleksanyan mit Puccinis Madame Butterfly („Unbel di vedremo“) den „Schaafstall“ erzittern ließ.

Im Laufe der Jahre sind dort schon so manche Stimmen zu hören gewesen, doch an die Ausdruckskraft und Stimmgewalt der 29-jährigen, derzeit beim Staatstheater Braunschweig verpflichteten Liana Aleksanyan reicht wohl keine heran. Wie so oft im Schaafstall durften die Konzertbesucher mit dieser Weltklassestimme einen aufgehenden Stern bewundern. Da ist es schade, dass - aus welchen Gründen auch immer – der „Schaafstall“ nicht restlos ausverkauft war. Hochkultur sei lokal eben schlecht zu bewerben, meinte GeTour-Geschäftsführer Thomas Heiming. Unverständlich bleibt, dass Veranstaltungen für die ansonsten weite Reisen unternommen werden müssten, vor Ort eine derart schwächliche Resonanz finden, dass die erfolgreiche Reihe „Kultur im Schaafstall“ im nächsten Jahr nur noch arg reduziert präsentiert werden wird.

Im Part „Gesprochenes“ amüsierte Gert-Hagen Seebach nach der Pause mit einem unerwartet komisch-frivolen Mozartbrief von nahezu Jandlscher Sprachqualität. „Sieh´ an der Mozart“, dachte wohl so mancher, und gab sich ganz der Fülle der Wohllaute hin, die Aleksanyan mit ihrem mitreißenden Gesang in den Raum donnerte.

Am Ende stürmischer, nicht endender Applaus und es schien, als seien gar nicht genug Zugaben vorhanden.

Schade, dass solche „Schaafstall“-Sternstunden künftig seltener zu erleben sein werden.