„Das ist mal ein witziger Einfall, ein origineller Ort und eine amüsante Gestaltung“, so eine Besucherin der „interaktiven Krimilesung“ des Arnumer Kriminalschriftstellers Günter von Lonski. Der las auf Initiative einiger Münderaner Kultur- und Krimifreunde in der Polizeiwache in der Angerstraße seinen Kurzroman „BlattSchuss“. Jedoch nicht ohne zuvor einige Utensilien wie Ratschen, Pfeifchen, eine Fahrradglocke und eine Spielzeug-Polizeisirene zu verteilen, mit denen das Publikum an entscheidenden Stellen Geräuschakzente setzen musste.
Bild: Günter von Lonski liest “BlattSchuss”
Besonders gefordert war Helmuth Mönkeberg, der von der ersten Reihe aus mit einem knallrotem Korkengewehr die textgenaue akustische Untermalung einiger dramatischer Szenen lieferte.
Von Lonskis „BlattSchuss“-Ermittler Ludger Lage, der „Columbo vom Campingplatz Arnumer See“, ist wie sein Schöpfer ein kauziger Typ, einer mit Ecken und Kanten, der allerdings keinem bluttriefenden Mord nachspürt, sondern zur Klärung der Frage, wer dem Wetterhahn der Harkenblecker Wehrkapelle den Kopf abgeschossen hat, engagiert wird.
Mit viel Sinn und viel Zeit für Details entfaltet von Lonski seine Geschichte, die von genau beobachteten und akribisch beschriebenen lokalen Details lebt: dem Gespräch am Kneipentresen, der Frau mit den sternchenblauen Augen in der Schnellreinigung, den Straßenbahn- und Busfahrten in die City, dem Treiben der örtlichen Schützenschwestern und –brüder, mithin dem kleinstädischen Vorortmilieu von Hemmingen und Arnum, dessen bäuerliche Herkunft nicht verleugnet werden kann.
Von Lonski unterlegt seinen Text mit einem schalkhaften, Krimiklischees aber auch seine Mitmenschen ironisierenden Grundton, kompensiert gewaltgeladene „action“ und intellektuelle „Wer-war´s-wohl?“ Puzzelei durch stets aufs Neue erheiternde Milieuschilderungen und reichlich Lokalkolorit.
„Diese Ecke im Süden Hannovers kannte ich noch nicht“, so ein Besucher, der demnächst mit dem Buch in der Hand auf Tatortsuche gehen will.
„Lokalkrimis sind nicht unproblematisch“, so von Lonski, „die Orte sind real, Personen und Handlung nicht.” Trotzdem sei bei einer Lesung ein Ehepaar fest davon überzeugt gewesen, es könne sich bei den betreffenden Romanfiguren nur um sie handeln.
„Gut vorbereitet, eine witzige, ungewöhnliche und originelle Veranstaltung“, lobte auch Polizeihauptkommissar Manfred Homann erfreut und erleichtert über diesem Abend mit Korkengewehr und viel Tatütata.