„Nein, mit DSDS hat das hier wenig zu tun, aber cool ist es trotzdem“, stellt die 12-jährige Anna Weinrich aus Hachmühlen fest. Zusammen mit ihrer hannoverschen Musiklehrerin Carina Hockwin hat Anna zwei Titel von Amy McDonald und Kelly Clarkson vorbereitet. Zum ersten Mal wird nämlich beim diesjährigen, 47. Wettbewerb „Jugend musiziert“ die Kategorie „Pop-Gesang“ auch auf regionaler Ebene angeboten.
Bild: Amelie Tabea Zoch und Lena Brutscheck (Klavier) beim Wettbewerbsbeitrag
„Bislang war ´Jugend musiziert´ ein reiner Klassik-Wettbewerb, in dem selbst Jazz nur ausnahmsweise berücksichtigt wurde“, erläutert Bernd Dormann von der Hamelner Jugendmusikschule. Doch infolge steigender Nachfrage könne man die Sparten Rock und Pop nicht länger ausklammern. Im Gegensatz zum DSDS-Spektakel à la Dieter Bohlen entscheide hier aber nicht die Verwertbarkeit im Show-Biz, sondern einzig Stimmqualität und Souveränität des Gesangsvortrags.
„Wir haben einige positive Überraschungen erlebt“, stellte auch die Jury-Vorsitzende Gesa Rottler fest. Zusammen mit Nicole König und Ana-Josefine Nickelée begutachtete sie die sechs Bewerberinnen im Alter von 12 bis 19 Jahren. Die durften, so Bernd Dormann, ihre Titel frei wählen, jedoch musste ein Stück ohne Begleitung vorgetragen werden. Selbst routinierte Jung-Sängerinnen wie die 19-jährige Vikilu-Abiturientin Mara Keller zitterten vor diesem Augenblick der Wahrheit.
Viel spanisches Flair brachte die 15-jährige Alicia Ruiz Bravo Correa in den Wettbewerb. Die aus Teneriffa stammende Austauschschülerin besucht ein Internat im Solling und präsentierte den Zuhörern im Forum des Schiller-Gymnasiums eine Eigenkomposition.
„Musik wird auch nach der Schule eine wichtige Rolle spielen“, ist sich Mara Keller sicher. Zusammen mit Sina Mareike Schulte und Amelie Tabea Zoch lässt sie ihre Stimme bei Sonja Telgheder ausbilden. Die Pädagogin hat eine Zusatzausbildung für Jazz-, Rock- und Popmusik absolviert und arbeitet an der Musikschule Lehrte. „Hier geht es nicht um dumme Sprüche, sondern um qualifizierte Beratung“, stellt die ehemalige DSDS-Kandidatin klar. Jedem Wettbewerbsteilnehmer wird ein Beratungsgespräch angeboten. „Das ist eigentlich noch wichtiger als die Platzierung. Schön, wenn man für seine Bemühungen mal ein professionelles Feedback bekommt“, so die 16-jährige Sina Mareike Schulte aus Haddessen.
Statt auf Star-Allüren und unrealistische Superstar-Träume setzt Telgheder auf Ehrlichkeit: „Wenn es stimmlich nicht reicht, dann muss man auch schon mal sagen, dass der Betreffende vielleicht noch ein oder zwei Jahre warten soll.“
Am Ende durften sich Mara, Amelie und Sina über einen „ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb in Osnabrück“ freuen. Aber auch die anderen Kandidatinnen erreichten hohe Punktzahlen und errangen erste und zweite Preise.
Am 27. Februar können sich die Hamelner Freunde des Pop-Gesangs beim Abschlusskonzert im Albert-Einstein-Gymnasium vom Leistungsstandard aller Wettbewerbsteilnehmer überzeugen.