Margarethe singt …

25.01.2010 14:03 - Zeitung

marwebDas ist aber ungewöhnlich“, stellte einer der rund 100 Konzertbesucher überrascht fest. Ein dem Springer Museum entliehener Kinderwagen, ein über einen Stuhl gelegtes Brautkleid, ein Pult mit dem Bildnis des verstorbenen Ehemannes, allesamt Requisiten für die szenische- musikalisch Performance „Margarethe singt …“, mit der die Luxemburger Sopranistin Patricia Fréres, am Klavier begleitet von Hans Martin Ritter, auf Einladung des Kunst- und Kulturkreises im Kaisersaal des Jagdschlosses gastierte.

Bild: Patricia Fréres im Kaisersaal des Jagdschlosses in Springe

Im ersten Teil Robert Schumanns Opus 42, „Frauenliebe und –leben“, nach dem Gedichtzyklus von Adalbert von Chamisso. „Der Lebensbilderbogen einer Frau der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ein Monodram, geprägt von einer Rückschau zwischen Traum und Traumatisierung durch den Verlust des Ehemannes“, so Hans Martin Ritter in seiner Einleitung.

Patricia Fréres gelingt nicht nur eine ergreifend schöne gesangliche Interpretation der Thematik, auch ihr äußerst sparsames, gleichwohl von höchster Gefühlsintensität bestimmtes Spiel geht unter die Haut. Hans Martin Ritter akzentuiert zudem die Emotionalität der Schumannsche Komposition bis an die Grenze des Machbaren; Fréres Darstellung gewinnt dazu eine absolut eigenständige, fortwährend zwischen Traum und Trauer, Realität und Erinnerung schwankende Qualität. Am Ende ein Moment der stillen Ergriffenheit, dann donnert der Applaus los.

Nach der Pause Goethes Tragödie in der Tragödie, das schreckliche Schicksal Gretchens im musikalischen Zeitraffer. Mit fünf ganz unterschiedlichen Kompositionen, von Charles Gounods „Szene und Arie der Margarethe“ über Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ und Hugo Wolfs „Gretchen vor dem Andachtsbild“ bis hin zu Hans Martin Ritters 2007 geschaffenem „Kerkerlied“ des Gretchen.

Auch in diesem ungleich dramatischeren Teil des Konzerts gelingt Fréres eine beeindruckende Symbiose von Gesang, Mimik und Gestik. Da stimmt selbstverständlich jeder Ton, aber auch jeder Blick, jede Geste.

Unterm Strich ein Abend, der gezeigt hat, dass Inhalte der klassischen wie der romantisch-biedermeierlichen Epoche, gleich ob musikalisch oder literarisch, mit hohem handwerklichen Können und einer einfallsreichen Inszenierung noch immer ihren ungebrochenen Zauber entfalten können. Auch wenn die Lebenswirklichkeit einer, so Hans Martin Ritter, „empfindsamen und von den Konventionen durchs Leben geleiteten Frau“ jener Epoche nicht mehr unbedingt dem heutigen Frauenverständnis entsprechen mögen.