Gatte gegrillt (Zeitung)

31.01.2010 15:25 - Zeitung

lehnen-stefan_p9Der arme Kerl. Am Ende wird er aufgetischt. Das hätte sich Kenneth, der prollige Möchtegern-Macho und Elvis-Fan nicht träumen lassen. Dabei hatte er sich nur einem offenbar weit verbreiten Trend angeschlossen, nämlich nach jahrzehntelanger Ehe seine Frau Hilary erst betrogen, dann ein neues Glück in der Ehe mit einer jüngeren gesucht.

In lebhaften, ja zuweil lauten Tönen entwickelt sich das zwischen krassem Humor, Augenblicken tiefen Gefühls und ernster Dramatik hin- und her schwankende Stück der renommierten britischen Bühnenautorin Debbie Isitt. Komödie ja, aber eine mit Tiefgang, den vor allem Edith Konrath als Hilary exzellent über die Rampe bringt. Unwiderstehlich ihre akrobatischen Putzattacken, meisterlich ihre Darstellung der Verzweiflung einer betrogenen, dann ihre Würde und ihr Selbstbewusstsein wiedergewinnenden Ehefrau.

Stefan Lehnen bietet die überzeugende Karikatur eines entscheidungsschwachen Mannes: hier seine langweilig gewordene Ehe mit der ausgezeichneten Köchin Hilary, dort die Verlockung durch das jugendliche Blondchen Laura, die statt kulinarischen Kenntnissen mit sexueller Abwechslung aufwarten kann. Anja Klawun, sprunghaft, flatterig, mitunter voll kindlichem Übermut, setzt auch zweideutigen Szenen hervorragend um.

Kenneth, der sich lange Zeit schlawinerhaft durchzuwursteln versteht, muss am Ende doch die Waffen strecken, erweisen sich die Frauen, vor allem die scharfzüngige Hilary, der Situation besser gewachsen.

Mitleid beim Hamelner Publikum durfte Kenneth freilich nicht erwarten, schon gar nicht beim weiblichen. Spekulierten zur Pause mitfühlende Männergrüppchen noch, „ob der das schafft“, konstatierten erfahrene Ehefrauen bereits resolut: „Der ist geliefert.“

Die von „Theaterlust“-Chef Thomas Luft geschickt inszenieren Zwischen- und Rückblenden verliehen dem Stück eine tiefer gehende Dimension, hoben es über die bloße Karikatur einer scheiternden Beziehung hinaus. Der Erfolg des Abends lag neben dem ausgezeichneten Spiel der drei Akteure vor allem in dieser fein austarierten Balance zwischen komödiantischem Treiben und zu Herze gehender Dramatik abseits jeglicher Klischees, die sich bei derartigen Handlungskonstellationen nur allzu leicht aufdrängen. Eine Leistung, die das Publikum mit anhaltendem Applaus und Begeisterung quittierte.