KKK-Finale

21.02.2010 12:42 - Zeitung

Ikkkwebn Bad Münder ist eine Ära zu Ende gegangen. Mit der Vorstellung „Tucholskys Lottchen“ ließ der fünfköpfige Vorstand des Kunst- und Kulturkreises nach 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Dienste der Kultur den letzten Vorhang fallen. „Die biologische Uhr tickt“, so Ingeborg Salzmann, die im Anschluss an das Zweipersonenstück vor den sich im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaales drängenden Gästen in knapper Form zwei Dekaden Kulturarbeit Revue passieren ließ.

Bild: Zurückgetreten: von li. Ingeborg Salzmann, Dagmar Niemeier, Rosemarie Rabe, Siegfried Krinke, Christa Borm

„Kultur ist bereits für Kleinkinder eine ganz wichtige Kraft und letztlich Voraussetzung für eine funktionierende Gemeinschaft“, stellte Salzmann fest. Bürgermeisterin Silvia Nieber würdigte die Leistung des Teams um Kulturkreisgründer Siegfried Krinke. Es bleibe zu hoffen, dass der „Wunschzettel in Sachen Kultur sich in den nächsten Jahren irgendwie erfüllen“ lasse.

An Anfang und Ende habe das Thema Glas gestanden, so der Vorsitzende des Münderaner „Forum.glas“, Hermann Wessling, der an den Gründungsabend des Kunst- und Kulturkreises, den 18. September 1990, erinnerte. Thema des Abends waren damals die hannoverschen Könige und das Lauensteiner Glas gewesen. Zudem, so Wessling, sei der Kunst- und Kulturkreis 2004 beim „Ab in die Mitte“-Programm „Rund ums Glas“ gleich fünfmal Mitveranstalter gewesen.

Zusammen mit Silvia Nieder und Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah überreichte Wessling ein symbolisches Glaspräsent.

Dass das Damneumannwebenteam um Siegfried Krinke bei der Programmauswahl zumeist ein glückliches Händchen hatte, machte auch Regina Neumann als „Tucholskys Lottchen“ deutlich. In fünf Szenen vor zwei historischen Großfotos von Kurt Tucholsky und seiner langjährigen Geliebten Lisa Lassmann, die sich als Lisa Matthias 1962 mit ihrem Roman „Ich war Tucholskys Lottchen“ outete, verkörperte Neumann dieses quirlige Geschöpf der Zwanziger Jahre: als ständig quasselnde Kinobesucherin, als eine, die ihrem Geliebten ihre Männergeschichten mal eben per Telefon beichtet, als eine, die über einen hemmungslosen Redefluss und „ein beachtliches Talent zum Schuldenmachen“ verfügt.

Zwischendurch schlurft Ralf Brune als Bühnenarbeiter in grauem Kittel und mit Ballonmütze durchs Publikum, nicht immer ganz textsicher, dafür aber ein Tucho-Bonmot nach dem anderen vor sich hinbrabbelnd.

Bild: ausdrucksstark - Regina Neumann

Am Ende dankbarer Applaus für Regina Neumann, reichlich Wehmut zum Abschied vom Kunst- und Kulturkreis, aber auch Hoffnung darauf, dass es in Sachen Kulturkreis irgendwie weiter gehen wird. „Wir würden uns freuen, wenn sich Bürger fänden, die sich in unserem Sinn für ein Kulturangebot engagieren, das sonst in Bad Münder nicht abgedeckt wird“, hofft Ingeborg Salzmann. Ein Aufruf, der nicht ungehört verhallten wird, auch wenn mit diesem Samstagabend der Vorhang erst einmal gefallen und in der Tat in Bad Münder eine Ära zu Ende gegangen ist.