Hein Brüggen

22.02.2010 12:27 - Zeitung

bruggenwebGitarrenkonzert mit Hein Brüggen in der Krypta des Hamelner Münsters

Im gelbfahlen Licht, das der Münsterkrypta einen fast surrealistischen Charakter verleiht, entfachte der Stadtoldendorfer Gitarrist Hein Brüggen mit Kompositionen aus vier Jahrhunderten ein temperamentvolles spanisches Feuer. Brüggen, der seit seinem 13. Lebensjahr der Leidenschaft des Gitarrenspiels verfallen ist, spannte den Bogen von Bachschen Gavottes und Sarabanden über einige „nationalspanische Kompositionen“ Isaac Albinis bis hin zu Bossa Nova Titel des Brasilianers Antonio Carlos Jobim.

„Keine Frage, Charlie Byrd“, antwortet Brüggen auf die Frage nach seinem großen Vorbild. Der amerikanische Jazz-Gitarrist habe in ihm das Feuer der Gitarrenleidenschaft entzündet. „Und natürlich John Christopher Williams und Andrés Segovia“, fügt Brüggen hinzu. Die hätten gezeigt, dass auch barocke, ursprünglich für Cembalo oder Orgel gedachte Stücke sich hervorragend für Gitarre umschreiben ließen. Gerade Segovia liebe er besonders, denn der habe stets einen „romantischen Akzent“ in seine Musik einfließen lassen.

„Gitarre, das ist mindestens die Hälfte meines Lebensinhaltes“, gesteht Brüggen, der über die andere Hälfte und sein Alter den Mantel des Schweigens deckt. Seine Augen leuchten, als er voll Stolz berichtet, dass dies zwar nicht seine teuerste aber seine liebste Gitarre sei, ein mehr als 30 Jahre altes Instrument des Madrider Gitarrenbauers Vicente Camacho. Ein Instrument, zu dem er „eine ganz besondere Affinität“ habe.

Um Gotteswillen nein, ein Nagelstudio lasse er nicht an die Fingernägel seiner Anschlags- und Spielhand. Jeder Gitarrist habe sein eigenes Rezept der Nagelpflege. „Die muss man besonders feilen und die dürfen nicht zu stumpf sein“, verrät Brüggen. Manche machten daraus eine „enorme Wissenschaft“, er aber habe damit keine Probleme.

Nach äußerst virtuosem Spiel, reichlich spanischem Flair und heißen Bossa-Nova-Rhythmen endete Hein Brüggens Gitarrenabend in der gut besuchten Krypta mit drei Sätzen eines Vivaldi-Konzertes.