Deister-Süntel-Bühne

28.02.2010 14:25 - Zeitung

dsb_web1Man nehme drei Buchstaben eines Annoncenkürzels, ein Männerquartett und ebenso viele, ganz unterschiedliche Damen – und schon hat man alle Zutaten einer amüsanten Verwechslungskomödie beisammen. „Hier sind Sie richtig“, einen Schwank in drei Akten von Erfolgsautor Marc Camoletti hatte sich das von Brigitte Kolde vor einem Jahr gegründete Ensemble der „Deister-Süntel-Bühne“ als Premierenstück vorgenommen.

Bild: Jacqueline (Sylvia Reck) und Bernard (Ralf Wenk) beim Verwirrspiel

Die Erkennungsmelodie hatte der Leiter der Jugendmusikschule Timo Christian eigens für diesen Anlass komponiert, die Ausbildungswerkstatt der Firma Wilkhahn für den Bühnenbau gesorgt und die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule die Bühne ihrer Aula für die Premiere bereitgestellt. Vor mehr als 100 gespannten Zuschauer hob sich dann der Vorhang und das Verwechslungsspiel nahm seinen Lauf.

Die Geschichte ist einfach, intellektueller Tiefgang durfte nicht erwartet werden. Vier in einem Haus zusammen lebende Frauen, eine Malerin, eine Klavierlehrerin, ein ehemaliger Bühnenstar und Berthe, das Hausmädchen, geben unabhängig von einander eine Annonce auf. Gesucht werden ein Untermieter, ein Modell, ein Klavierschüler und der Mann fürs Leben. Ein Anzeigenkürzel löst eine Verwechslungswelle aus, am Ende aber finden sich alle Paare, so wie es sich in diesem Genre gehört.

Unter der Regie von Ursula Schmoll demonstrierten die Akteure nicht nur Spielfreude und große Textsicherheit, sondern auch deutlichen Gestaltungswillen. Es gelang ihnen über weite Strecken den für Amateurbühnen typischen Sprech-Singsang zu vermeiden und ihren Rollen, wenn auch klischeehaft, Profil zu geben.

Da ist etwa Kerstin Bunzenthal als Berthe, die ihren Part mit beeindruckender Frische und Lebhaftigkeit über die Rampe brachte, stets gekonnt zwischen Naivität und Pfiffigkeit schwankend, hielt sie die Fäden zusammen. Herrlich transusig Sabine Jonas als Klavierlehrerin, die alles erst einmal theoretisch angeht. In Kostüm, Gestik, Mimik und Sprache die Inkarnation des Klischees einer Klavierlehrerin. Robust und mit sprachlich sehr sicherer Intonation Sylvia Reck als resolute Malerin, die ihren zögerlichen Gast dazu bringt, die Hose fallen zu lassen. Und als Vierte im Bunde die extrem verschnupfte Brigitte Kolde, gestisch stark, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung. Wie seinerzeit Volkstheater-Ikone Heidi Kabel trotz schwerer Migräneattacken ihren „Tratsch im Treppenhaus“ durchzog, so absolvierte auch die Heidi Kabel von Bad Münder ihren Part ohne mit der Wimper zu zucken. Schnupfen? Egal, the show must go on.

Das Männerquartett sorgte für den obligatorischen Slapstick und bewies, dass auch Klamauk unterhaltsam sein kann.

Gleichwohl wäre eine inhaltliche Straffung wohltuend gewesen. So nahm die Inszenierung nach einiger Zeit zwar Tempo auf, doch ist das Adjektiv „rasant“ bei dieser Verwechslungskomödie fehl am Platze.

Das Publikum jedoch dankte mit reichlich Beifall für einen unterhaltsamen Abend, der viele Schauspieler präsentierte, allen voran Kerstin Bunzenthal und Brigitte Kolde, die wir so bald wie möglich in neuen Rollen wieder zu sehen wünschen.