Ausstellung “Viridum Video” auf dem Hermannshof eröffnet
Er sei schon ein ganz besonderes Fleckchen Natur, dieser Hermannshof, so ein Besucher der Ausstellungseröffnung zu „Viridum Video“, was vereinfacht mit „Ich sehe grün“ übersetzt werden kann. Wo sonst findet sich auch ein Ort an dem die Transparenz zwischen drinnen und draußen, zwischen gestalteter Gartennatur und Gebäude nicht nur zum Diskurs einlädt, sondern als Gestaltungsprinzip selbst greifbar wird.
Mensch und Natur ist das Leitthema der noch bis zum 21. März im „Haus im Park“ zu sehenden Videokunst. Acht Projektionen, Installationen und Videos laden ein zum Nachdenken über Natur, Natürlichkeit und die vom Menschen geschaffene Landschaft.
Während die vorabendliche Dämmerung durch die transparenten Wände und Glasflächen des Hauses zu kriechen versuchte, die Kälte des Abends dort aber jäh durch die Hitze des bollernden Ofens gestoppt wurde, sinnierte die Hildesheimer Prof. Sabine Foraita in ihrer Einführung vor den sich im Raum drängenden Besuchern über die Frage, wer denn nun unser Ordnungssystem der Natur zerstöre. Die „erste, eigentliche Natur“ sei nämlich infolge der Industrialisierung längst einer „artifiziellen“ gewichen, brächte sich uns jedoch ab und an dramatisch in Erinnerung. „Wir lassen die Kräfte spielen, tut die Natur das umgekehrt mit uns, wirft´s uns aus der Bahn.“
Ein durchgestylter Garten verhalte sich zu Urwald wie das „Es“ zum „Ich“, philosophierte die Wissenschaftlerin, und stellte die Werke der Ausstellung vor. Zu deren Betrachtung braucht es Inspiration und mitunter Muße, wie etwa bei Wolfgang Stehles Videoinstallation „Labsal“ von 2004, in der eine kleine, auf eine Tapetenwand voller grüner Kohlköpfe projizierte Raupe einen davon langsam verspeist. Ist er verschwunden, tritt ein neuer an seine Stelle und wird sisyphusartig erneut von der Raupe in Angriff genommen.
„Sieben Künstler zeigen ihre Arbeiten und antizipieren mit ihren Gartenbildern und Videoprojektionen das Frühjahr“, so Eckhart Liss vom Verein „Kunst und Begegnung Hermannshof“. Das „Haus im Park“ wird unter der künstlerischen Leitung von Eckhard Westermeier, Professor für zeitbasierte Medien an der HAWK Hildesheim zur Video-Lounge, einem transparenten Gebilde mit farbigen Projektionsflächen, in dem die Besucher vor allem „Grün“ sehen können, gleich ob real oder metaphysisch.