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Modellbahnbörse im Hamelner Hefehof

Modellbahnbörse im Hamelner Hefehof

Montag, 12. Oktober 2026

Zwischen Nostalgie und 3D-Druck: Die Eisenbahn lebt weiter

16. Eisenbahnbörse lockt Sammler und Technikbegeisterte – 23 Aussteller, neue digitale Möglichkeiten und Geschichten von lebenslangen Leidenschaften

Von Christoph Huppert

Die Liebe zur Eisenbahn kennt kein Alter. Das zeigt sich an den Tischen der 16. Eisenbahnbörse, wo sich Sammler, Bastler und Technikfreunde begegnen. Zwischen Lokomotiven, Gleisen und Zubehör geht es nicht allein um Kauf und Verkauf. Es geht auch um Erinnerungen, technische Neuerungen und die Frage, wie ein Hobby über Jahrzehnte hinweg Teil des eigenen Lebens bleiben kann.

Steinhoff: Mehr Aussteller, mehr Platz

Karsten Steinhoff, 42 Jahre alt, steht als Ansprechpartner für die Veranstaltung bereit. Er bestätigt: Es ist bereits die 16. Eisenbahnbörse. Mit der Resonanz zeigt er sich zufrieden.

„Wir haben 23 Aussteller“, berichtet Steinhoff über die Beteiligung. Die meisten kommen aus Südniedersachsen. Doch das Einzugsgebiet reicht weiter: Ein Anbieter ist eigens aus Berlin angereist.

Auch die Platzverhältnisse können sich sehen lassen. „Dieses Mal haben wir 112 Meter Standfläche“, erklärt Steinhoff. Der Preis für die Standfläche sei stabil geblieben: Zehn Euro pro Meter werden genannt.

Die Besucherzahl lässt sich dagegen schwer beziffern. Steinhoff rechnet jedoch mit mehr Zulauf als bei der Börse im vergangenen Jahr. Der Eindruck vor Ort passt zu seiner Einschätzung: Die Veranstaltung hat sich als Treffpunkt etabliert, an dem sich alte Bekannte wiedersehen und Interessierte neue Kontakte knüpfen können.

Das Smartphone steuert die Modellbahn

Für Steinhoff ist die Digitalisierung ein wichtiger Impuls für das traditionsreiche Hobby. Sie mache die Modelleisenbahn auch für Jüngere interessant.

„Wenn Sie mit dem Smartphone können Sie alles steuern, mit dem PC, mit dem Tablet“, beschreibt er die Möglichkeiten. Gerade darin liege ein zusätzlicher Anreiz für eine jüngere Generation.

Die klassischen Modellbahner verschwinden damit nicht. Viele kennen ihre Eisenbahn noch aus Kindertagen, als ein Trafo die Geschwindigkeit bestimmte und der Zug nach dem Drehen am Regler losfuhr. Doch inzwischen lassen sich Fahrverhalten, Signale und weitere Funktionen digital programmieren.

Steinhoff beobachtet, dass das Hobby zwischenzeitlich an Schwung verloren hatte, in jüngerer Zeit aber wieder Interesse gewinnt. Auch jüngere Menschen seien vertreten. Der Nachwuchs bleibt gleichwohl ein Thema: Kontakte zu Eisenbahn-AGs oder Schülergruppen bestehen nach seinen Worten derzeit nicht mehr. Ein Kinderferienprojekt habe man zwar im Blick, zur Umsetzung sei es bislang aber nicht gekommen.

Neben der jährlichen Börse veranstalten die Eisenbahnfreunde auch eigene Schautage. Die nächsten sind für den 27. und 28. Februar angekündigt. Dabei soll es ebenfalls um die ganze Bandbreite des Modellbaus gehen.

Kevin kennt die neuen Möglichkeiten

Wie weit sich die Technik entwickelt hat, erläutert Kevin, 22 Jahre alt und im Verein für den Modellbau zuständig. Er gehört zu einer Generation, für die digitale Steuerungen und neue Fertigungstechniken selbstverständlicher zum Hobby gehören.

Ganz ohne Klebstoff geht es allerdings noch nicht. Die klassischen Bausätze müssen weiterhin zusammengebaut und verklebt werden. Doch die Möglichkeiten sind vielfältiger geworden.

Besonders der 3D-Druck eröffnet neue Wege. Fehlende Teile lassen sich selbst herstellen, wenn die entsprechenden Vorlagen vorhanden sind. Auch Figuren und Tiere können in Miniaturform entstehen, teilweise sogar mit beweglichen Elementen.

„Ich glaube, das ist der 3D-Druck jetzt, dass man fehlende Sachen sich selber drucken kann“, fasst Kevin den Vorteil zusammen.

Dazu werden die gewünschten Modelle digital gezeichnet und anschließend Schicht für Schicht gedruckt. So können Modellbauer individuelle Bauteile ergänzen, die nicht mehr im Handel erhältlich sind oder die sie eigens für ihre Anlage benötigen.

Die Entwicklung endet nicht bei Gebäuden und Figuren. Auch bewegliche Fahrzeuge gehören zur Modellbauwelt. Beim sogenannten Carsystem fahren kleine Autos auf vorgegebenen Strecken selbstständig. Ein Magnetband in der Straße und ein Schleifer unter dem Fahrzeug sorgen dafür, dass die Fahrzeuge ihrer Spur folgen. Zusätzliche Module können beispielsweise Haltestellen in das System einbeziehen.

Auch hier hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Wie weit die Technik im Einzelfall reicht, hängt von den jeweiligen Komponenten ab.

Langsames Anfahren wie beim Vorbild

Besonders anschaulich wird der technische Fortschritt bei der Steuerung der Lokomotiven. Früher genügte häufig ein Dreh am Trafo, um den Zug in Bewegung zu setzen. Heute können Modellbahner das Anfahren viel realistischer gestalten.

Kevin erklärt, dass sich die Anfahrbeschleunigung bei digitalen Lokomotiven programmieren lässt. Wird der entsprechende Wert verändert, setzt sich die Lok langsamer oder schneller in Bewegung. So entsteht der Eindruck eines schweren Zuges, der erst allmählich Fahrt aufnimmt.

Auch Signale lassen sich einbinden. Züge können Informationen über Signalstellungen erhalten und ihre Reaktionen darauf abstimmen. Bei manchen Modellen ist darüber hinaus eine Lokführerperspektive mit Kameratechnik möglich.

Damit wird die Modellbahn mehr als ein Zug, der seine Runden auf einer Platte dreht. Sie entwickelt sich zu einer kleinen technischen Welt, in der Fahrbetrieb, Geräusche und Steuerung möglichst nah am großen Vorbild ausgerichtet werden.

Martin Wilkat: Eine Eisenbahn aus Kindertagen

Doch nicht jeder Besucher sucht das Neueste. Für Martin Wilkat, 64 Jahre alt, steht die persönliche Geschichte im Vordergrund. Er ist als privater Anbieter bereits zum fünften Mal bei der Eisenbahnbörse dabei.

„Es ist eine schöne Atmosphäre hier, das gefällt mir immer sehr gut“, sagt Wilkat über die Veranstaltung.

Der Grund für sein Angebot ist ganz praktischer Natur: Er möchte Platz schaffen und sein Hobby verkleinern. Die Modelleisenbahn begleitet ihn seit seiner Kindheit. Sein Vater schenkte ihm damals eine Märklin-Bahn. Aus der ersten Eisenbahn wurde mit den Jahren eine umfangreiche Sammlung.

Immer wieder kam etwas hinzu. Eine Lok hier, weiteres Zubehör dort – und irgendwann stellt sich die Frage, was mit all den angesammelten Schätzen geschehen soll.

„Wenn man älter wird, dann überlegt man irgendwann: Was machst du mit den ganzen Sachen?“, beschreibt Wilkat seine Überlegung.

Der Verkauf ist deshalb kein Abschied von einer beliebigen Sammlung. Er ist vielmehr der Versuch, mit einer über Jahrzehnte gewachsenen Leidenschaft vernünftig umzugehen.

Wenn das Hobby zu groß wird

Diese Erfahrung kennt auch mancher andere Sammler. Große Anlagen brauchen Platz, Zeit und gelegentlich auch körperliche Kraft. Wer weniger mobil wird oder umzieht, muss sich irgendwann mit der Frage beschäftigen, wie es mit der Eisenbahn weitergehen soll.

Wilkat berichtet von seiner Märklin-Bahn, die sein Vater ihm als Jungen geschenkt hatte. Über die Jahre wuchs sie stetig weiter. Nun möchte er einen Teil davon abgeben.

Auch die nächste Generation übernimmt die Begeisterung nicht automatisch. Erwachsene Kinder haben häufig eigene Interessen. Was für die Eltern eine wertvolle Sammlung ist, muss für die Kinder nicht denselben Stellenwert besitzen.

Gerade deshalb bekommen Börsen wie diese eine besondere Bedeutung: Hier finden Modelle und Zubehör neue Besitzer, statt ungenutzt in Schränken oder Kartons zu bleiben.

Ein Berliner macht sich auf den Weg

Dass die Leidenschaft für die Eisenbahn auch längere Wege rechtfertigt, zeigt ein weiterer Anbieter: Wilm Knopp aus Berlin. Er ist mit seiner Frau Isolde angereist und hat dafür eine dreistündige Fahrt auf sich genommen.

Das Paar machte sich bereits um vier Uhr morgens auf den Weg nach Hameln. Am Abend soll es wieder zurückgehen.

Knopp ist seit 25 Jahren pensioniert und steht kurz vor seinem 79. Geburtstag. Seine Begeisterung für die Modelleisenbahn begann bereits im Kindesalter.

„Das fängt mit Märklin an“, erzählt er von seinen ersten Erfahrungen. Später wechselte er auch zum Gleichstromsystem. Seine Sammlung umfasst heute nach eigener Schätzung 60 bis 70 Lokomotiven – von frühen Modellen aus den Anfangsjahren bis hin zu digital ausgestatteten Fahrzeugen.

„Wenn man so einen Virus hat, ist das dann sehr schwierig“, sagt Knopp mit einem Schmunzeln.

Er kennt allerdings auch die Kehrseite: Irgendwann wird aus der Leidenschaft eine Menge Material, das Platz beansprucht. Knopp bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „Schachtelbahner“ – die Eisenbahn ist vorhanden, bleibt aber häufig verpackt im Schrank.

Seine Reise nach Hameln hat noch einen weiteren Grund. In Berlin gebe es inzwischen nur noch wenige Börsen, berichtet er. Viele Veranstaltungen seien weggefallen. Als sich die Gelegenheit bot, in Hameln selbst als Anbieter dabei zu sein, habe er deshalb zugesagt.

Technik zum Anfassen

Auch Olaf Thamm hat etwas Besonderes mitgebracht: einen Rollenprüfstand für die Eisenbahnfreunde Hameln. Damit lassen sich analoge und digitale Lokomotiven testen.

Die Lok wird auf Rollen gestellt, während elektronische Steuereinheiten über einen Laptop bedient werden. Auf dem Monitor können Funktionen ausgelesen und die Ausstattung der Lok überprüft werden.

Bei digitalen Modellen lassen sich unter anderem Soundfunktionen und weitere Eigenschaften kontrollieren. Auch eine Geschwindigkeitsmessung ist möglich. So kann festgestellt werden, ob die Lok die gewünschte Modellgeschwindigkeit erreicht.

Thamm führt vor, wie eine Lok auf dem Prüfstand in Bewegung gesetzt wird. Nicht immer klappt alles auf Anhieb. Manchmal braucht es einen zweiten Versuch. Gerade das macht die Vorführung anschaulich: Auch moderne Technik ist nicht frei von kleinen Tücken.

Eine Leidenschaft mit Zukunft

Die 16. Eisenbahnbörse zeigt damit zwei Seiten eines traditionsreichen Hobbys. Da sind die Sammler, die ihre ersten Loks noch aus der Kindheit kennen, und jene, die heute mit digitalen Steuerungen, Kameras und 3D-Druck experimentieren.

Die einen suchen Ersatzteile und Raritäten, die anderen wollen ihre Sammlung verkleinern. Dazwischen stehen junge Modellbauer, die neue Ideen und technische Möglichkeiten entdecken.

Am Ende verbindet sie mehr als die Eisenbahn. Es ist die Freude daran, kleine Welten zu gestalten, Technik zu verstehen und Erinnerungen zu bewahren. Und solange sich Menschen dafür begeistern, werden die Züge auch künftig ihre Runden drehen.

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