Ein veganer Fettstuhl, ein verfremdetes Selbstbildnis und moderne Bildbearbeitung nach dem Vorbild Salvador Dalís: Die Ausstellung „Alte Meister humorvoll gesehen“ sorgt derzeit im Museum Bad Münder für einen ungewöhnlichen Blick auf bekannte Werke der Kunstgeschichte. Die Mitglieder des Forum Kunst Springe und Bad Münder haben sich dabei berühmte Vorbilder vorgenommen und diese auf ihre eigene Weise neu interpretiert. Humor ist ausdrücklich erwünscht.
18 der rund 32 Mitglieder der Interessengemeinschaft beteiligen sich an der Ausstellung. Sie hatten bei der Auswahl ihrer Vorbilder weitgehend freie Hand. Entstanden sind ganz unterschiedliche Arbeiten – von Acrylbildern über Collagen bis hin zu Assemblagen und Objekten. „Wir haben die Ausstellung ,Alte Meister humorvoll gesehen‘ genannt“, erläutert eine Vertreterin des Forum Kunst. Die Idee sei gewesen, das Museum „mit etwas Modernem und mit etwas Humorvollem zu bereichern“. Die Kunstwerke sollten deshalb nicht einfach bekannte Vorbilder kopieren. Sie wurden verfremdet, neu interpretiert und teilweise in einen völlig anderen Zusammenhang gestellt. „Mal was anderes zu machen“, sei gerade der Reiz des Projekts gewesen, heißt es aus dem Kreis der beteiligten Künstler. Die Vorgabe habe die Möglichkeit eröffnet, mit eigenen Ideen, Intentionen und Materialien einen anderen Weg im eigenen Gestalten zu gehen. Zu den ungewöhnlichsten Arbeiten der Ausstellung gehört zweifellos die Interpretation eines Werks von Joseph Beuys durch Shanti Rüger-Dege.
Sie hat sich den berühmten Fettstuhl des Künstlers vorgenommen – allerdings in einer zeitgemäßen Variante. „Ich mache ein Remake vom Fettstuhl von Joseph Beuys“, erklärt sie. Da die Ausstellung ausdrücklich humorvoll angelegt sei, habe sie sich für einen „veganen Fettstuhl mit Pflanzenmargarine und ein bisschen Knäckebrot“ entschieden. Das Originalmotiv wird damit nicht nur humorvoll verfremdet. Die Künstlerin verbindet ihre Arbeit auch mit aktuellen Themen. Bei Beuys sei Fett ein Energiespeicher gewesen, erläutert Rüger-Dege. Deshalb habe sie ihrem Objekt zusätzlich einen Stecker hinzugefügt – allerdings ohne ihn tatsächlich in eine Steckdose zu stecken. In Zeiten der Energiewende sei der Gedanke des Speicherns aktueller denn je, sagt sie. „Wir wollen ja alle mehr Energiespeicher haben, um den überflüssigen Strom zu speichern.“ Für Shanti Rüger-Dege ist die Kunst dabei mehr als ein Hobby oder bloßer Ausgleich. Nach ihrem Berufsleben als Psychologin und Psychotherapeutin widmet sie sich heute vor allem der Kunst. „Nee, das ist ’ne Leidenschaft“, sagt sie. Schon früher habe sie eigentlich Kunst machen wollen. Sie habe sich jedoch zunächst für das Studium der Psychologie entschieden. Nach dem Ende ihres Berufslebens sei für sie der Zeitpunkt gekommen, den früheren Wunsch wieder aufzugreifen. „Wenn ich jetzt damit aufhöre, dann kann ich mit Kunst anfangen“, sagt sie.
Auch Hans Ullmann aus Springe hat für die Ausstellung ein berühmtes Vorbild neu interpretiert. Sein Werk besteht aus drei verschiedenen Fotografien, die am Computer bearbeitet und zu einer neuen Aussage zusammengefügt wurden. Als Inspiration diente ihm ein Werk von Salvador Dalí. „Ich hab mir ein Stück von Salvador Dalí ausgesucht und mich von diesem Bild inspirieren lassen“, erklärt Ullmann. „Und so ist mein Bild entstanden.“ Gerade diese Verbindung von Kunstgeschichte und modernen Gestaltungsmöglichkeiten prägt die Ausstellung.
Die historischen Vorbilder werden nicht ehrfürchtig auf Abstand gehalten. Sie werden vielmehr zum Ausgangspunkt für eigene Ideen. Dass eine solche Ausstellung gerade im Museum Bad Münder stattfindet, ist ebenfalls Teil des Konzepts. Die Kunstwerke sind in die Dauerausstellung des Museums integriert. Damit sollen neue Blickwinkel auf die bekannten Räume entstehen und zugleich neue Besuchergruppen angesprochen werden. „Wenn man da was Neues mit reinbringt, lockt das natürlich ganz andere Leute an“, sagt einer der Veranstalter. Das gelte auch für Menschen, „die gar nicht unbedingt ins Museum gehen“. Eine ähnliche Erfahrung hatte das Museum bereits bei einer früheren Ausstellung gemacht, bei der Bilder mit Motiven aus Bad Münder und den Ortsteilen gezeigt worden waren.
Auch diesmal verbindet das Projekt regionale Kunstschaffende mit einem ungewöhnlichen Ausstellungsort.
Das Forum Kunst Springe und Bad Münder besteht seit 2018 und organisiert regelmäßig gemeinsame Ausstellungen. Bei „Alte Meister humorvoll gesehen“ handelt es sich überwiegend um erfahrene Hobby- und Laienkünstlerinnen und -künstler. Ein Kunststudium sei keine Voraussetzung. Entscheidend seien die Freude am Gestalten und die Bereitschaft gewesen, sich auf das ungewöhnliche Thema einzulassen. Die Ausstellung will deshalb auch keine kunsthistorische Lehrstunde sein. Vielmehr geht es darum, bekannte Bilder und Kunstwerke mit einem Augenzwinkern neu zu betrachten.
Ob Joseph Beuys mit veganem Fett, Salvador Dalí als Inspiration für digitale Bildbearbeitung oder andere berühmte Vorbilder in Collagen und Assemblagen – die Besucher sollen eigene Entdeckungen machen und dabei auch lachen dürfen. Die Ausstellung „Alte Meister humorvoll gesehen“ ist bis zum dritten Advent, dem 13. Dezember, im Museum Bad Münder zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gruppen können nach vorheriger Absprache auch außerhalb dieser Zeiten durch die Ausstellung geführt werden.
Nachhaltigkeit und Kommunikation stehen im Mittelpunkt
Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Spielzeug, Geschirr und kleine Elektrogeräte: Im neuen Umsonstladen in Bad Münder haben Dinge, die andere nicht mehr benötigen, eine zweite Chance. Nach einer 16-monatigen Zwangspause hat der Verein Umsonst e.V. seine Arbeit an einem neuen Standort wieder aufgenommen. Zur Wiedereröffnung kamen zahlreiche Gäste, Unterstützer und Mitglieder. Susanne Wiegemann, zweite Vorsitzende des Vereins, erinnerte daran, dass der bisherige Laden wegen eines Wasserschadens geschlossen werden musste. Hinzu sei eine Gesundheitsbelastung gekommen. Danach habe das Team lange nach geeigneten neuen Räumen gesucht. „Jetzt sind wir hier eingezogen und fühlen uns sehr wohl“, so Wiegemann. Die Freude darüber, wieder einen festen Standort zu haben, sei im gesamten Team groß, denn ein Verein ohne eigene Räume könne zwar funktionieren, der Umsonstladen ohne Laden aber nicht.
Seit 2003 gehört das Projekt zur sozialen Landschaft der Stadt Bad Münder. Gegründet wurde es damals in der Petersilienstraße. Gründungsmitglied Petra Joumaah erinnert sich noch gut an die Anfangszeit. „Mit größtem Enthusiasmus sind wir da rangegangen, und es war eigentlich in kürzester Zeit eine Erfolgsgeschichte“, sagte sie. Nach 23 Jahren ist der jetzige Standort neben dem Haus der TUSPO bereits der dritte Umzug des Vereins. Der Weg dorthin war allerdings mit erheblichem Einsatz verbunden.
In einer Ansprache zur Wiedereröffnung verglich die Vorsitzende Monica Gräfin Adelmann die Geschichte des Vereins die vergangenen Monate mit einem Staffellauf. Nach dem Wasserschaden musste zunächst der alte Laden geräumt werden. Dann ergab sich überraschend die Möglichkeit, neue Räume zu beziehen. Renovierungsarbeiten, der Aufbau von Regalen und die Einrichtung des Ladens folgten.
Auch finanzielle und materielle Spenden erleichterten den Neustart. Seit dem 1. Juni konnten zunächst wieder Waren entgegengenommen werden. Seit dem 1. Juli ist der Laden vollständig geöffnet. Das Konzept unterscheidet sich dabei deutlich von einer Tafel. Einen Nachweis über Hilfebedürftigkeit müssen Besucher nicht vorlegen. Grundsätzlich könne jeder den Laden besuchen, erklärte Wiegemann. Im Mittelpunkt stehen Kleidung und Schuhe, aber auch Haushaltswaren, Spielzeug, Geschirr, Töpfe, Pfannen und Kleinelektrogeräte. Alle gespendeten Gegenstände werden bei der Annahme kontrolliert. Nur saubere und einwandfreie Waren werden weitergegeben. Der Umsonstladen sei ausdrücklich kein Ort, an dem ungeprüfte Gegenstände einfach abgeladen werden könnten.
Die Waren stammen von Menschen, die aufräumen, sich verkleinern oder Dinge weitergeben möchten, die beispielsweise ihren Kindern nicht mehr passen. Für die abgegebenen Waren werden geringe Entgelte erhoben. Davon finanziert der Verein Miete, Strom und weitere Nebenkosten. Öffentliche Zuschüsse von Stadt oder Land erhält der Laden nicht, alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Sollten Überschüsse entstehen, werden diese an andere soziale Projekte in der Region weitergeleitet.
Eine wichtige Rolle spielt neben der sozialen Unterstützung die Nachhaltigkeit.
Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah bezeichnete den Umsonstladen als „großen Gewinn für Bad Münder und seine Ortsteile“. Sie hob hervor, dass sich der Nachhaltigkeitsgedanke in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt habe, gebrauchsfähige Dinge müssten nicht weggeworfen werden, sondern könnten weiter genutzt werden. Viele Menschen würden inzwischen bewusst nach gebrauchten Waren suchen, statt immer Neues zu kaufen. Gerade hochwertige Kleidung und Gegenstände könnten auf diese Weise mehrfach genutzt werden.
Doch der Umsonstladen ist mehr als ein Ort zum Bringen und Mitnehmen von Waren. Seit der Gründung gehört der sogenannte runde Tisch zum Konzept. Dort können Besucher Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch Menschen, die gerade nichts suchen und nichts abgeben möchten, sind willkommen. Aus einem Gespräch über eine Hose oder eine Jacke könne sich manchmal ein ganz anderer Kontakt entwickeln. Einsamkeit, persönliche Sorgen oder die Suche nach Unterstützung könnten dabei zur Sprache kommen. Der Laden wolle so Begegnungen ermöglichen und dem Alleinsein entgegenwirken.
„Begegnung und Nachhaltigkeit, Kommunikation“ – mit diesen Worten fasste Gründungsmitglied Petra Joumaah das Konzept zusammen.
Auch eine Besucherin, die bereits früher im Umsonstladen gewesen war, zeigte sich beeindruckt von der Resonanz. An einem Donnerstagnachmittag habe sie erlebt, wie viele Menschen Waren brachten und andere Dinge mitnahmen. Das Konzept werde „unheimlich gut angenommen“. Für sie sei der Laden wichtig, weil viele Familien Unterstützung benötigten. Gleichzeitig könnten Menschen Dinge aus ihren Kellern weitergeben, die andere noch gut gebrauchen könnten. Besonders die Kombination aus Hilfe und Nachhaltigkeit mache das Projekt aus.
Der neue Umsonstladen ist dienstags von 15 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Außerdem öffnet er an jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 12 Uhr.
Parkmöglichkeiten gibt es sowohl für Besucher als auch für Menschen, die Spenden vorbeibringen möchten. Und die kommen inzwischen nicht nur aus Bad Münder. Auch aus den Nachbarkommunen schauen Besucher regelmäßig vorbei.
Der Verein blickt nach der erfolgreichen Wiedereröffnung deshalb zuversichtlich nach vorn. Geplant sind künftig auch Veranstaltungen in den neuen, größeren Räumen. Nach dem anstrengenden Neustart soll der Staffelstab nun etwas ruhiger weitergetragen werden – mit neuen Ideen, guter Planung und weiterhin viel ehrenamtlichem Engagement.