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Aus der Vergangenheit lernen

Dienstag, 03. November 2026 - Allgemein

Ein Sammelband über politische Erfahrungen, historische Irrtümer und die Herausforderungen unserer Zeit

Von Christoph Huppert

Warum wiederholen sich politische Fehler, obwohl ihre Folgen längst bekannt sind? Weshalb geraten Demokratien unter Druck, und was lässt sich aus früheren Krisen für heutige Entscheidungen ableiten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der von Frank Werner herausgegebene Band „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“, der in der Reihe ZEIT Geschichte im Droemer Verlag erschienen ist.

Für Leserinnen und Leser aus dem Weserbergland ist der Herausgeber kein Unbekannter. Frank Werner war früher Chefredakteur der DEWEZET in Hameln. Heute steht er als Chefredakteur des Magazins ZEIT Geschichte für eine journalistische Auseinandersetzung mit historischen Themen und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.

Der Band versammelt Beiträge namhafter Historiker und Wissenschaftler, die unterschiedliche Epochen und Entwicklungen beleuchten. Das Themenspektrum reicht von den Ursprüngen demokratischer Ordnungen in der Antike über die politischen Krisen des 20. Jahrhunderts bis zu den Konflikten einer Welt, in der autoritäre Bestrebungen und imperiale Machtansprüche erneut an Bedeutung gewinnen. Demokratie und Diktatur, Propaganda, wirtschaftliche Macht und internationale Auseinandersetzungen bilden wichtige Schwerpunkte.

Dabei geht es um wiederkehrende Mechanismen politischer Fehlentwicklungen: die Verführungskraft populistischer Versprechen, die schrittweise Schwächung demokratischer Institutionen und die Bereitschaft, politische Gegner zu Feinden zu erklären. Die Beiträge zeigen, dass historische Situationen zwar nie völlig gleich sind, sich aus früheren Erfahrungen aber durchaus Erkenntnisse gewinnen lassen.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Weimarer Republik und den Aufstieg des Nationalsozialismus. Der Untergang der ersten deutschen Demokratie verdeutlicht, wie innere Konflikte, Vertrauensverlust und die Missachtung demokratischer Spielregeln eine politische Ordnung zerstören können. Die nationalsozialistische Diktatur steht zugleich für die verheerenden Folgen einer Politik, die Menschen ausgrenzt, Feindbilder schafft und staatliche Macht zur Unterdrückung missbraucht.

Werner beschränkt sich allerdings nicht auf die deutsche Geschichte. Auch die Entwicklung demokratischer Staatsformen und die wechselnden Kräfteverhältnisse zwischen Großmächten eröffnen wichtige Perspektiven. Zwei Weltkriege und die Verbrechen totalitärer Regime sollten eigentlich eine dauerhafte Warnung darstellen. Dennoch sind militärische Gewalt, territoriale Machtansprüche und nationalistisches Denken keineswegs verschwunden.

Der Sammelband regt dazu an, solche Entwicklungen genauer zu untersuchen. Wie entstehen Krisen? Warum treffen politische Entscheidungsträger bestimmte Entscheidungen? Und welche Folgen ergeben sich, wenn Warnsignale übersehen oder bewusst ignoriert werden? Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven ergänzen einander und ermöglichen es, vertraute Ereignisse neu zu betrachten.

Diese Vielfalt ist eine Stärke des Buches, verlangt aber auch Aufmerksamkeit. Wer eine durchgehend erzählte Gesamtdarstellung oder eine einfache Anleitung für politisches Handeln erwartet, dürfte nicht vollständig auf seine Kosten kommen. Der Wert der Sammlung liegt vielmehr in der Breite ihrer Themen und den verschiedenen Zugängen zu grundlegenden politischen Fragen.

Dabei geht es auch um die Verantwortung des Einzelnen. Gesellschaftliche Entwicklungen werden nicht ausschließlich von anonymen Kräften bestimmt. Menschen treffen Entscheidungen, unterstützen politische Bewegungen, widersprechen Missständen oder bleiben untätig, wenn demokratische Grundsätze unter Druck geraten.

Hier gewinnt der Titel seine eigentliche Bedeutung: Historische Erkenntnisse können helfen, Gefahren früher zu erkennen und Handlungsmöglichkeiten besser einzuschätzen. Sie ersetzen jedoch weder eigenes Urteilsvermögen noch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Der Band liefert keine Patentrezepte für die Probleme unserer Zeit. Die Vergangenheit lässt sich nicht wie eine Gebrauchsanweisung lesen, die für jede neue Situation eine fertige Lösung bereithält. Sie bietet vielmehr Erfahrungen und Vergleichsmöglichkeiten, die bei der Beurteilung aktueller Entwicklungen helfen können.

Frank Werner hat mit „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“ eine Veröffentlichung zusammengestellt, die historische Bildung mit politischer Reflexion verbindet. Das Buch richtet sich an Leser, die sich nicht mit oberflächlichen Erklärungen zufriedengeben, sondern den Ursachen gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen nachgehen möchten.

Fazit: Ein anregender Sammelband, der historische Kenntnisse vertieft und zum kritischen Nachdenken über Demokratie, Macht und Verantwortung auffordert. Empfehlenswert für alle, die aus den Erfahrungen früherer Generationen Orientierung für das eigene Urteil gewinnen wollen.

Artes Wesera beendet Ausstellungsjahr mit „Querbeet“

Dienstag, 03. November 2026 - Allgemein

Hameln. Mit einer Gemeinschaftsausstellung unter dem Titel „Querbeet“ beschließt die Künstlergemeinschaft ARTES WESERA ihr Ausstellungsjahr. Bis zum 13. Dezember haben Besucher noch einmal Gelegenheit, die Vielfalt regionaler Kunst in den Räumen der Künstlergemeinschaft zu entdecken. Rund 18 der insgesamt etwa 24 Mitglieder beteiligen sich an der Präsentation, die einen breiten Querschnitt durch die unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen bietet.

„Jedes Mitglied kann sein schönstes oder beliebtestes Bild aufhängen“, erläutert Pressesprecherin Käthe Thielke den Gedanken hinter der Ausstellung. Dabei geht es nicht um ein einheitliches Thema oder eine gemeinsame Stilrichtung. Vielmehr sollen die individuellen Vorlieben und künstlerischen Handschriften der Beteiligten nebeneinanderstehen und gerade dadurch die Vielfalt der Gemeinschaft sichtbar machen.

Das Ergebnis ist eine abwechslungsreiche Schau, die unterschiedliche Techniken und Materialien zusammenführt. Neben Malerei in Acryl, Aquarell und Pastell sind Fotografien, Stoffkunst und plastische Arbeiten zu sehen. Auch Skulpturen aus gebranntem Ton und künstlerische Objekte in Buchform gehören zum Angebot. Kleine Mosaikarbeiten von Tanja Flügel setzen weitere Akzente.

Die Ausstellung macht deutlich, wie unterschiedlich die Wege sein können, auf denen sich Menschen künstlerisch ausdrücken. Während die einen mit Farbe und Pinsel arbeiten, experimentieren andere mit Stoffen, Scherben oder plastischen Materialien. Die Gemeinschaftsausstellung bietet damit nicht nur einen Überblick über das Schaffen der Mitglieder, sondern auch Gelegenheit, weniger bekannte Techniken kennenzulernen.

Eine besondere Stellung nehmen die Arbeiten von Tanja Flügel ein. Die 57-Jährige aus Thüste bei Salzhemmendorf beschäftigt sich mit Mosaikkunst und verwendet dafür alte Materialien und Scherben. Für die Jahresabschlussausstellung hat sie unter anderem kleine, eigenwillige Weihnachtsgänse gestaltet. Die Figuren spielen mit dem vertrauten Motiv der Weihnachtsgans, interpretieren es jedoch auf eine ungewöhnliche Weise.

„Ich habe versucht, mit wenigen Scherben großen Ausdruck zu erzielen“, beschreibt Flügel ihre Arbeitsweise. Die kleinen Figuren wirken individuell und besitzen jeweils ihren eigenen Charakter. Mal erscheinen sie besonders weihnachtlich, mal eher frech und mit einer großen Klappe. Dass es sich um vegane Weihnachtsgänse handelt, verleiht den Arbeiten einen zusätzlichen augenzwinkernden Akzent.

Flügel arbeitet in einem Atelier im Keller ihres Hauses. Während dort bislang vor allem Mosaikarbeiten entstanden, hat sie sich inzwischen einer weiteren Kunstrichtung zugewandt: den sogenannten „Automata“. Dabei handelt es sich um bewegliche Kunstobjekte, mit denen der Betrachter selbst eine kleine Geschichte in Gang setzen kann. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen; die entsprechende Kunstrichtung ist besonders in Großbritannien bekannt.

Für Flügel liegt ein wesentlicher Vorteil der Künstlergemeinschaft im Austausch zwischen Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Techniken und Materialien arbeiten. Bei den regelmäßigen Begegnungen könne man immer wieder etwas Neues lernen. Hinzu komme die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu entwickeln. Gerade die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten mache den besonderen Reiz der Gemeinschaft aus.

Neben der Jahresabschlussausstellung in Hameln gehört auch die traditionelle Präsentation in Hämelschenburg zum festen Programm von ARTES WESERA. Diese Ausstellung findet regelmäßig um den 1. Oktober herum statt. Für das kommende Jahr ist der Termin in den Scheunen der Familie von Klencke bereits vereinbart.

Das Ausstellungsprogramm für 2027 soll etwas übersichtlicher gestaltet werden. Statt einer größeren Zahl kürzerer Präsentationen sind fünf Ausstellungen vorgesehen. Die einzelne Ausstellung soll künftig acht Wochen dauern. Damit reagiert die Künstlergemeinschaft auf die Erfahrung, dass sechs Wochen manchmal zu wenig Zeit bieten, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Den Auftakt bildet eine Gastkünstlerausstellung mit den „Urban Sketchers“. Diese Künstler zeichnen bevorzugt draußen, halten ihre Eindrücke in Skizzen fest und bearbeiten beziehungsweise kolorieren die entstandenen Arbeiten anschließend weiter. Die meist kleineren Werke unterscheiden sich in ihrer Herangehensweise von der klassischen Ateliermalerei und versprechen einen zusätzlichen Blick auf die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten.

Auch das Begleitprogramm soll fortgeführt und erweitert werden. Lesungen, Konzerte und Workshops gehören inzwischen ebenso zum Profil von ARTES WESERA wie die eigentlichen Ausstellungen. In diesem Jahr wurden unter anderem zwei Aquarell- und zwei Acrylworkshops angeboten. Die Kurse erfreuten sich nach Angaben der Vorsitzenden Renate Seehafer einer guten Resonanz. Ein Mosaikworkshop ist für das kommende Jahr erneut geplant.

Darüber hinaus laufen Gespräche mit der Musikschule über ein klassisches Konzert im Frühjahr 2027. Für den Herbst ist eine Verbindung von Musik und Lesung vorgesehen. Auch ein Folkabend ist geplant. Die Verantwortlichen wollen damit bewusst unterschiedliche Interessen ansprechen und das kulturelle Angebot abwechslungsreich gestalten.

Nach den Einschränkungen der Corona-Zeit habe die Künstlergemeinschaft zunächst wieder langsam in Gang kommen müssen, berichtet Käthe Thielke. Inzwischen sei ARTES WESERA jedoch zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Hameln geworden. Die Veranstaltungen würden gut angenommen, und die Rückmeldungen der Besucher seien überwiegend positiv.

Hilfreich sei dabei auch die Lage in unmittelbarer Nähe des Weserradwegs. Radfahrer nutzten die Gelegenheit, spontan in die Ausstellungsräume hineinzuschauen. Manche Besucher blieben länger als ursprünglich geplant oder kämen später noch einmal wieder. Gelegentlich würden Arbeiten auch gekauft und an weit entfernte Orte verschickt.

Eine Herausforderung bleibt allerdings die finanzielle Absicherung. Wie viele kulturelle Einrichtungen ist ARTES WESERA auf Förderer und Sponsoren angewiesen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage mache sich bemerkbar. Frühere Unterstützer müssten inzwischen genauer überlegen, welche finanziellen Beiträge sie leisten könnten. Deshalb bemühe sich die Künstlergemeinschaft fortlaufend darum, neue Sponsoren zu gewinnen.

Auch die räumlichen Bedingungen spielen eine Rolle. Für die Instandhaltung des Gebäudes ist grundsätzlich die Stadt als Vermieterin zuständig. Über notwendige Wartungsarbeiten, unter anderem an der Heizung, werde derzeit gesprochen. Für Sauberkeit, Ordnung und kleinere Arbeiten im Innenbereich sorge die Künstlergemeinschaft selbst.

Bei der Mitgliederzahl bewegt sich ARTES WESERA seit längerer Zeit in einer Größenordnung von etwa 24 bis 26 Personen. Größere Zuwächse bleiben aus, weil neue Mitgliederverluste durch Krankheit, Alter oder Wegzug immer wieder ausgeglichen werden müssen. Nachwuchs zu gewinnen und Menschen für eine aktive Mitarbeit zu begeistern, gehört deshalb zu den wichtigen Aufgaben für die Zukunft.

Für die kommenden Jahre hat die Vorsitzende drei Wünsche: neue Mitglieder, zusätzliche Förderer und Sponsoren sowie Gesundheit und genügend Kraft, um die kulturellen Aktivitäten fortsetzen zu können. Die Gemeinschaft will ihre Arbeit auch künftig mit Engagement und Kreativität weiterführen.

Mit der Ausstellung „Querbeet“ bietet ARTES WESERA zum Jahresende noch einmal einen Überblick über das breite Spektrum ihrer Mitglieder. Die Präsentation ist bis zum 13. Dezember zu sehen. Geöffnet ist jeweils samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Mindestens ein Mitglied der Künstlergemeinschaft ist während der Öffnungszeiten vor Ort, um Besucher zu begrüßen und Fragen zu beantworten.

Die ausgestellten Arbeiten können grundsätzlich auch erworben werden. Im Vordergrund steht zwar die Möglichkeit, Kunst zu zeigen und einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Wer sich jedoch in ein Bild, eine Skulptur oder ein Mosaik verliebt, kann mit den Künstlern über einen Kauf sprechen.

So verbindet die letzte Ausstellung des Jahres Rückblick und Ausblick: Sie zeigt, was die Mitglieder von ARTES WESERA in den vergangenen Monaten geschaffen haben, und macht zugleich neugierig auf das kommende Programm. Die Vielfalt der Techniken, die persönlichen Begegnungen und das Zusammenspiel von bildender Kunst, Musik und Literatur sollen auch 2027 dafür sorgen, dass die Künstlergemeinschaft ein lebendiger Treffpunkt für Kulturinteressierte bleibt.

(Text und Fotos Christoph Huppert)

Modellbahnbörse im Hamelner Hefehof

Montag, 12. Oktober 2026 - Allgemein

Zwischen Nostalgie und 3D-Druck: Die Eisenbahn lebt weiter

16. Eisenbahnbörse lockt Sammler und Technikbegeisterte – 23 Aussteller, neue digitale Möglichkeiten und Geschichten von lebenslangen Leidenschaften

Von Christoph Huppert

Die Liebe zur Eisenbahn kennt kein Alter. Das zeigt sich an den Tischen der 16. Eisenbahnbörse, wo sich Sammler, Bastler und Technikfreunde begegnen. Zwischen Lokomotiven, Gleisen und Zubehör geht es nicht allein um Kauf und Verkauf. Es geht auch um Erinnerungen, technische Neuerungen und die Frage, wie ein Hobby über Jahrzehnte hinweg Teil des eigenen Lebens bleiben kann.

Steinhoff: Mehr Aussteller, mehr Platz

Karsten Steinhoff, 42 Jahre alt, steht als Ansprechpartner für die Veranstaltung bereit. Er bestätigt: Es ist bereits die 16. Eisenbahnbörse. Mit der Resonanz zeigt er sich zufrieden.

„Wir haben 23 Aussteller“, berichtet Steinhoff über die Beteiligung. Die meisten kommen aus Südniedersachsen. Doch das Einzugsgebiet reicht weiter: Ein Anbieter ist eigens aus Berlin angereist.

Auch die Platzverhältnisse können sich sehen lassen. „Dieses Mal haben wir 112 Meter Standfläche“, erklärt Steinhoff. Der Preis für die Standfläche sei stabil geblieben: Zehn Euro pro Meter werden genannt.

Die Besucherzahl lässt sich dagegen schwer beziffern. Steinhoff rechnet jedoch mit mehr Zulauf als bei der Börse im vergangenen Jahr. Der Eindruck vor Ort passt zu seiner Einschätzung: Die Veranstaltung hat sich als Treffpunkt etabliert, an dem sich alte Bekannte wiedersehen und Interessierte neue Kontakte knüpfen können.

Das Smartphone steuert die Modellbahn

Für Steinhoff ist die Digitalisierung ein wichtiger Impuls für das traditionsreiche Hobby. Sie mache die Modelleisenbahn auch für Jüngere interessant.

„Wenn Sie mit dem Smartphone können Sie alles steuern, mit dem PC, mit dem Tablet“, beschreibt er die Möglichkeiten. Gerade darin liege ein zusätzlicher Anreiz für eine jüngere Generation.

Die klassischen Modellbahner verschwinden damit nicht. Viele kennen ihre Eisenbahn noch aus Kindertagen, als ein Trafo die Geschwindigkeit bestimmte und der Zug nach dem Drehen am Regler losfuhr. Doch inzwischen lassen sich Fahrverhalten, Signale und weitere Funktionen digital programmieren.

Steinhoff beobachtet, dass das Hobby zwischenzeitlich an Schwung verloren hatte, in jüngerer Zeit aber wieder Interesse gewinnt. Auch jüngere Menschen seien vertreten. Der Nachwuchs bleibt gleichwohl ein Thema: Kontakte zu Eisenbahn-AGs oder Schülergruppen bestehen nach seinen Worten derzeit nicht mehr. Ein Kinderferienprojekt habe man zwar im Blick, zur Umsetzung sei es bislang aber nicht gekommen.

Neben der jährlichen Börse veranstalten die Eisenbahnfreunde auch eigene Schautage. Die nächsten sind für den 27. und 28. Februar angekündigt. Dabei soll es ebenfalls um die ganze Bandbreite des Modellbaus gehen.

Kevin kennt die neuen Möglichkeiten

Wie weit sich die Technik entwickelt hat, erläutert Kevin, 22 Jahre alt und im Verein für den Modellbau zuständig. Er gehört zu einer Generation, für die digitale Steuerungen und neue Fertigungstechniken selbstverständlicher zum Hobby gehören.

Ganz ohne Klebstoff geht es allerdings noch nicht. Die klassischen Bausätze müssen weiterhin zusammengebaut und verklebt werden. Doch die Möglichkeiten sind vielfältiger geworden.

Besonders der 3D-Druck eröffnet neue Wege. Fehlende Teile lassen sich selbst herstellen, wenn die entsprechenden Vorlagen vorhanden sind. Auch Figuren und Tiere können in Miniaturform entstehen, teilweise sogar mit beweglichen Elementen.

„Ich glaube, das ist der 3D-Druck jetzt, dass man fehlende Sachen sich selber drucken kann“, fasst Kevin den Vorteil zusammen.

Dazu werden die gewünschten Modelle digital gezeichnet und anschließend Schicht für Schicht gedruckt. So können Modellbauer individuelle Bauteile ergänzen, die nicht mehr im Handel erhältlich sind oder die sie eigens für ihre Anlage benötigen.

Die Entwicklung endet nicht bei Gebäuden und Figuren. Auch bewegliche Fahrzeuge gehören zur Modellbauwelt. Beim sogenannten Carsystem fahren kleine Autos auf vorgegebenen Strecken selbstständig. Ein Magnetband in der Straße und ein Schleifer unter dem Fahrzeug sorgen dafür, dass die Fahrzeuge ihrer Spur folgen. Zusätzliche Module können beispielsweise Haltestellen in das System einbeziehen.

Auch hier hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Wie weit die Technik im Einzelfall reicht, hängt von den jeweiligen Komponenten ab.

Langsames Anfahren wie beim Vorbild

Besonders anschaulich wird der technische Fortschritt bei der Steuerung der Lokomotiven. Früher genügte häufig ein Dreh am Trafo, um den Zug in Bewegung zu setzen. Heute können Modellbahner das Anfahren viel realistischer gestalten.

Kevin erklärt, dass sich die Anfahrbeschleunigung bei digitalen Lokomotiven programmieren lässt. Wird der entsprechende Wert verändert, setzt sich die Lok langsamer oder schneller in Bewegung. So entsteht der Eindruck eines schweren Zuges, der erst allmählich Fahrt aufnimmt.

Auch Signale lassen sich einbinden. Züge können Informationen über Signalstellungen erhalten und ihre Reaktionen darauf abstimmen. Bei manchen Modellen ist darüber hinaus eine Lokführerperspektive mit Kameratechnik möglich.

Damit wird die Modellbahn mehr als ein Zug, der seine Runden auf einer Platte dreht. Sie entwickelt sich zu einer kleinen technischen Welt, in der Fahrbetrieb, Geräusche und Steuerung möglichst nah am großen Vorbild ausgerichtet werden.

Martin Wilkat: Eine Eisenbahn aus Kindertagen

Doch nicht jeder Besucher sucht das Neueste. Für Martin Wilkat, 64 Jahre alt, steht die persönliche Geschichte im Vordergrund. Er ist als privater Anbieter bereits zum fünften Mal bei der Eisenbahnbörse dabei.

„Es ist eine schöne Atmosphäre hier, das gefällt mir immer sehr gut“, sagt Wilkat über die Veranstaltung.

Der Grund für sein Angebot ist ganz praktischer Natur: Er möchte Platz schaffen und sein Hobby verkleinern. Die Modelleisenbahn begleitet ihn seit seiner Kindheit. Sein Vater schenkte ihm damals eine Märklin-Bahn. Aus der ersten Eisenbahn wurde mit den Jahren eine umfangreiche Sammlung.

Immer wieder kam etwas hinzu. Eine Lok hier, weiteres Zubehör dort – und irgendwann stellt sich die Frage, was mit all den angesammelten Schätzen geschehen soll.

„Wenn man älter wird, dann überlegt man irgendwann: Was machst du mit den ganzen Sachen?“, beschreibt Wilkat seine Überlegung.

Der Verkauf ist deshalb kein Abschied von einer beliebigen Sammlung. Er ist vielmehr der Versuch, mit einer über Jahrzehnte gewachsenen Leidenschaft vernünftig umzugehen.

Wenn das Hobby zu groß wird

Diese Erfahrung kennt auch mancher andere Sammler. Große Anlagen brauchen Platz, Zeit und gelegentlich auch körperliche Kraft. Wer weniger mobil wird oder umzieht, muss sich irgendwann mit der Frage beschäftigen, wie es mit der Eisenbahn weitergehen soll.

Wilkat berichtet von seiner Märklin-Bahn, die sein Vater ihm als Jungen geschenkt hatte. Über die Jahre wuchs sie stetig weiter. Nun möchte er einen Teil davon abgeben.

Auch die nächste Generation übernimmt die Begeisterung nicht automatisch. Erwachsene Kinder haben häufig eigene Interessen. Was für die Eltern eine wertvolle Sammlung ist, muss für die Kinder nicht denselben Stellenwert besitzen.

Gerade deshalb bekommen Börsen wie diese eine besondere Bedeutung: Hier finden Modelle und Zubehör neue Besitzer, statt ungenutzt in Schränken oder Kartons zu bleiben.

Ein Berliner macht sich auf den Weg

Dass die Leidenschaft für die Eisenbahn auch längere Wege rechtfertigt, zeigt ein weiterer Anbieter: Wilm Knopp aus Berlin. Er ist mit seiner Frau Isolde angereist und hat dafür eine dreistündige Fahrt auf sich genommen.

Das Paar machte sich bereits um vier Uhr morgens auf den Weg nach Hameln. Am Abend soll es wieder zurückgehen.

Knopp ist seit 25 Jahren pensioniert und steht kurz vor seinem 79. Geburtstag. Seine Begeisterung für die Modelleisenbahn begann bereits im Kindesalter.

„Das fängt mit Märklin an“, erzählt er von seinen ersten Erfahrungen. Später wechselte er auch zum Gleichstromsystem. Seine Sammlung umfasst heute nach eigener Schätzung 60 bis 70 Lokomotiven – von frühen Modellen aus den Anfangsjahren bis hin zu digital ausgestatteten Fahrzeugen.

„Wenn man so einen Virus hat, ist das dann sehr schwierig“, sagt Knopp mit einem Schmunzeln.

Er kennt allerdings auch die Kehrseite: Irgendwann wird aus der Leidenschaft eine Menge Material, das Platz beansprucht. Knopp bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „Schachtelbahner“ – die Eisenbahn ist vorhanden, bleibt aber häufig verpackt im Schrank.

Seine Reise nach Hameln hat noch einen weiteren Grund. In Berlin gebe es inzwischen nur noch wenige Börsen, berichtet er. Viele Veranstaltungen seien weggefallen. Als sich die Gelegenheit bot, in Hameln selbst als Anbieter dabei zu sein, habe er deshalb zugesagt.

Technik zum Anfassen

Auch Olaf Thamm hat etwas Besonderes mitgebracht: einen Rollenprüfstand für die Eisenbahnfreunde Hameln. Damit lassen sich analoge und digitale Lokomotiven testen.

Die Lok wird auf Rollen gestellt, während elektronische Steuereinheiten über einen Laptop bedient werden. Auf dem Monitor können Funktionen ausgelesen und die Ausstattung der Lok überprüft werden.

Bei digitalen Modellen lassen sich unter anderem Soundfunktionen und weitere Eigenschaften kontrollieren. Auch eine Geschwindigkeitsmessung ist möglich. So kann festgestellt werden, ob die Lok die gewünschte Modellgeschwindigkeit erreicht.

Thamm führt vor, wie eine Lok auf dem Prüfstand in Bewegung gesetzt wird. Nicht immer klappt alles auf Anhieb. Manchmal braucht es einen zweiten Versuch. Gerade das macht die Vorführung anschaulich: Auch moderne Technik ist nicht frei von kleinen Tücken.

Eine Leidenschaft mit Zukunft

Die 16. Eisenbahnbörse zeigt damit zwei Seiten eines traditionsreichen Hobbys. Da sind die Sammler, die ihre ersten Loks noch aus der Kindheit kennen, und jene, die heute mit digitalen Steuerungen, Kameras und 3D-Druck experimentieren.

Die einen suchen Ersatzteile und Raritäten, die anderen wollen ihre Sammlung verkleinern. Dazwischen stehen junge Modellbauer, die neue Ideen und technische Möglichkeiten entdecken.

Am Ende verbindet sie mehr als die Eisenbahn. Es ist die Freude daran, kleine Welten zu gestalten, Technik zu verstehen und Erinnerungen zu bewahren. Und solange sich Menschen dafür begeistern, werden die Züge auch künftig ihre Runden drehen.

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