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Kleidertauschbörse Hasperde

Sonntag, 13. September 2026 - Radio

Kleidertauschbörse in der Alten Wache Hasperde

Sonntag, 13. September 2026 - Zeitung

„Wir sind mit Schuhen erschlagen worden“

Die Kleidertauschbörse in der Alten Wache Hasperde findet immer mehr Zuspruch – Hunderte Besucher

HASPERDE. Der Andrang ist groß, die Kleiderständer sind dicht gefüllt, und bei den Schuhen wird es beinahe eng: Die Kleidertauschbörse in der Alten Wache Hasperde hat auch bei ihrer jüngsten Auflage deutlich an Umfang gewonnen.

Das Prinzip ist einfach: Wer gut erhaltene Kleidung nicht mehr benötigt, kann sie zur Börse bringen. Andere Besucher dürfen sich kostenlos bedienen. Bezahlt werden muss für die mitgenommenen Kleidungsstücke nichts. „Wer kennt das nicht? Ich habe Sachen im Kleiderschrank, kann es irgendwie nach Jahren nicht mehr sehen, es ist heile, es ist nicht kaputt. Aber wegschmeißen ist einfach zu schade“, sagt eine Besucherin aus Bad Münder, die erstmals bei der Börse dabei ist. Zunächst wollte sie sich lediglich informieren und den Ablauf kennenlernen. „Ich bin total erstaunt, was hier die vielen lieben, fleißigen Bienchen und Händchen tatsächlich schon alles bewerkstelligt haben.“ Von der Idee ist sie begeistert. „Ich finde das super, finde ich total toll.“ Vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke überzeugt sie. „Wir sind im Laufe der Jahrzehnte im Prinzip fast zu einer Wegwerfgesellschaft verkommen. Und dem gilt es irgendwo Einheit entgegenzusetzen.“ Die Kleidertauschbörse biete dabei eine praktische Möglichkeit, gut erhaltene Sachen weiterzugeben und zugleich Menschen zu helfen, die sich neue Kleidung möglicherweise nicht leisten können. „Derjenige, der es nicht mehr braucht, wer anders ist vielleicht bedürftig, hat auch nicht das Geld, um sich im Prinzip etwas Neues zu kaufen und hat hier wirklich eine Chance für sich, wirklich Gutes zu finden“, beschreibt die Besucherin den Grundgedanken. Für sie ist die Veranstaltung zudem etwas Besonderes, weil sie bislang keine vergleichbare Börse kannte. „In dieser Form, wie gesagt, ich kannte es ja nicht.“ Organisiert wird die Kleidertauschbörse von einem engagierten Helferteam.

Seit etwa drei Jahren gibt es die Veranstaltung jeweils im Frühjahr und im Herbst. Anfangs war das Konzept noch deutlich kleiner. „Wir haben ganz klein angefangen“, berichtet Organisatorin Brigitte Ehrlich. Jeder habe zunächst drei oder vier Kleidungsstücke bringen und entsprechend viele wieder mitnehmen dürfen. Doch schon bei der ersten Veranstaltung sei klar geworden, dass das Interesse wesentlich größer war als erwartet. „Wir sind schon beim ersten Mal eigentlich überwältigt gewesen, was alles gebracht worden ist.“ Deshalb wurde das Konzept geändert: Jeder darf kommen, Kleidung bringen oder einfach stöbern und etwas mitnehmen. „Muss nichts dafür bezahlen“, lautet das einfache Prinzip. Mittlerweile ist die Menge der angebotenen Kleidung beträchtlich. „Es ist immer mehr geworden“, sagt Ehrlich. Besonders die Schuhe hätten diesmal für eine Überraschung gesorgt: „Ganz besonders diesmal sind wir mit Schuhen erschlagen worden.“

Mehr als 1000 Bügel waren allein für Kleidungsstücke im Einsatz. „Da war noch kein Pullover und keine Hose und nichts dabei. Also wirklich nur Sachen, die auf Bügeln waren“, berichtet sie. Wie viele Menschen tatsächlich zur Börse kommen, lässt sich nur schwer sagen. Geschätzt werden rund 300 bis 400 Besucher, möglicherweise sogar mehr. „Es ist ein Kommen und Gehen“, beschreibt eine Teilnehmerin den Charakter der Veranstaltung. Genau das macht für sie einen besonderen Reiz aus. Wer Zeit habe, könne auch nur für eine Viertelstunde vorbeischauen, etwas suchen und anschließend wieder gehen. Auch Kinder stöbern zwischen den Kleidungsstücken. Die elfjährige Mila ist in Serbien geboren und lebt heute in Hachmühlen.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Mia besucht sie die Veranstaltung. Mia ist zehn Jahre alt und kommt ebenfalls aus Hachmühlen. Beide Mädchen gehen in Hameln zur Schule. Auch die siebenjährige Bella aus Dunsen ist unter den jungen Besucherinnen. Für sie geht es ebenfalls darum, in dem großen Angebot etwas Passendes zu entdecken. Und natürlich wird auch gezielt gesucht. Eine Besucherin war beispielsweise auf der Suche nach Reithosen und wurde schließlich fündig. „Ich habe zufällig zwei Reithosen in der gleichen Art und Weise gefunden, nur zwei verschiedene Größen“, berichtet sie. Identische Kleidung sei allerdings nicht dabei gewesen: „Es waren alles Einzelteile.“ Für die Organisatoren bedeutet der große Zuspruch allerdings auch viel Arbeit. Wenn die Besucher gegangen sind, müssen die Räume wieder aufgeräumt und in ein Wahllokal umgewandelt werden. Die Helfer bauen anschließend alles für die nächste Nutzung um. Die Kleidertauschbörse selbst geht dann zunächst in eine Pause. Eine weitere Ausgabe ist wieder im Frühjahr vorgesehen. Bis dahin bleibt vor allem die Erkenntnis, dass aus einer kleinen Idee in Hasperde inzwischen eine gut besuchte Veranstaltung geworden ist: Kleidung, die sonst vielleicht im Schrank liegen oder im Müll landen würde, bekommt im Rahemen einer nachhaltigen Nutzung eine zweite Chance – und findet neue Besitzer.

Fotos: Christoph Huppert

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