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Fit bis in den Tod

Fit bis in den Tod

Sonntag, 28. Mai 2017

„Fit bis in den Tod. Das sportlichste Theaterereignis seit es Rückenschmerzen gibt“. Die Ankündigung so vollmundig wie vor Ironie triefend. Doch am Ende hinterließ die Turnstunde der beiden Fitness- und Gesundheitsexperten Dominik Maringer und Sebastian Kaufmane alias Heiner und Heinrich einen ziemlich zwiespältigen Eindruck.

Die Erwartungshaltung des Publikums im Egestorfer „Schaafstall“ war groß gewesen, das Fitness-Spektakel seit Wochen ausverkauft. Immerhin stand beim fünften Gastspiel des quirligen Oberösterreichers Maringer, dessen „Suche nach dem Ur-Ton der Musik“ beispielsweise noch in allerbester Erinnerung war, anspruchsvolle, intelligente Unterhaltung mit jeder Menge schauspielerischer Exzellenz zu erwarten. Zumal er diesmal mit Sebastian Kaufmane vom hannoverschen Staatsschauspiel einen Kino-, und TV-erfahrenen Satireexperten als Trainingspartner mitgebracht hatte.

„Fit bis in den Tod“ also. Eine 70-minütige Trainings- und Fitness-Einheit, die die Zuschauer im übervollen „Schaafstall“ aktiv mit einbezog. „Ein bisschen Sport muss sein“ à la Roberto Blanco zum Einstieg, eine amüsante Klassifizierung in „Gogos“, „Slowgos“ und „Nogos“, ein Videoeinspieler in Interviewform mit der 89-jährigen Barren-Turnerin Johanna Quaas aus Pirna, kurz: Fitness bis ins hohe Alter und eine breite Palette körperlicher Ertüchtigungsmöglichkeiten. Doch schnell war klar, dass auch Lachmuskeln nicht gegen Muskelkater gefeit sind. Was das österreichische Publikum scheinbar in Höchststimmung versetzen kann, das funktioniert hierzulande in Egestorf allenfalls eingeschränkt.

Zu Recht. Da wurde vieles nur angerissen, um gleich zum nächsten Thema zu eilen. Mal ein bisschen Slapstick, dann ein Liedchen, ein gereimtes Textchen, dann wieder eine sprunghafte Mitmachaktion. Das Trainingskonzept blieb undeutlich. Was war das? Satire? Theater? Comedy?  Vielleicht sogar Kabarett? Gar schwarzer Humor?  Oder jener höhere Blödsinn, den Maringer sonst in Vollendung zu präsentieren weiß? In jedem Fall war´s  leider weder Fisch noch Fleisch. Statt intensiver Unterhaltungs-Fitness mit intellektuellem Anspruch am Ende doch nur eine oberflächliche und auf Dauer ziemlich ermüdende Turnstunde, mit der Maringer und sein Partner leider nicht an die brillanten Theatererlebnisse anknüpfen konnte, die er in der Vergangenheit im „Schaafstall“ abgeliefert hat. Hier muss der Trainings- und Fitnessplan offensichtlich noch einmal gründlich überarbeitet werden.

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