Umsonstladen eröffnet neuen Standort
Umsonstladen eröffnet neuen Standort
Dienstag, 25. August 2026
Nachhaltigkeit und Kommunikation stehen im Mittelpunkt

Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Spielzeug, Geschirr und kleine Elektrogeräte: Im neuen Umsonstladen in Bad Münder haben Dinge, die andere nicht mehr benötigen, eine zweite Chance. Nach einer 16-monatigen Zwangspause hat der Verein Umsonst e.V. seine Arbeit an einem neuen Standort wieder aufgenommen. Zur Wiedereröffnung kamen zahlreiche Gäste, Unterstützer und Mitglieder. Susanne Wiegemann, zweite Vorsitzende des Vereins, erinnerte daran, dass der bisherige Laden wegen eines Wasserschadens geschlossen werden musste. Hinzu sei eine Gesundheitsbelastung gekommen. Danach habe das Team lange nach geeigneten neuen Räumen gesucht. „Jetzt sind wir hier eingezogen und fühlen uns sehr wohl“, so Wiegemann. Die Freude darüber, wieder einen festen Standort zu haben, sei im gesamten Team groß, denn ein Verein ohne eigene Räume könne zwar funktionieren, der Umsonstladen ohne Laden aber nicht.
Seit 2003 gehört das Projekt zur sozialen Landschaft der Stadt Bad Münder. Gegründet wurde es damals in der Petersilienstraße. Gründungsmitglied Petra Joumaah erinnert sich noch gut an die Anfangszeit. „Mit größtem Enthusiasmus sind wir da rangegangen, und es war eigentlich in kürzester Zeit eine Erfolgsgeschichte“, sagte sie. Nach 23 Jahren ist der jetzige Standort neben dem Haus der TUSPO bereits der dritte Umzug des Vereins. Der Weg dorthin war allerdings mit erheblichem Einsatz verbunden.
In einer Ansprache zur Wiedereröffnung verglich die Vorsitzende Monica Gräfin Adelmann die Geschichte des Vereins die vergangenen Monate mit einem Staffellauf. Nach dem Wasserschaden musste zunächst der alte Laden geräumt werden. Dann ergab sich überraschend die Möglichkeit, neue Räume zu beziehen. Renovierungsarbeiten, der Aufbau von Regalen und die Einrichtung des Ladens folgten.
Auch finanzielle und materielle Spenden erleichterten den Neustart. Seit dem 1. Juni konnten zunächst wieder Waren entgegengenommen werden. Seit dem 1. Juli ist der Laden vollständig geöffnet. Das Konzept unterscheidet sich dabei deutlich von einer Tafel. Einen Nachweis über Hilfebedürftigkeit müssen Besucher nicht vorlegen. Grundsätzlich könne jeder den Laden besuchen, erklärte Wiegemann. Im Mittelpunkt stehen Kleidung und Schuhe, aber auch Haushaltswaren, Spielzeug, Geschirr, Töpfe, Pfannen und Kleinelektrogeräte. Alle gespendeten Gegenstände werden bei der Annahme kontrolliert. Nur saubere und einwandfreie Waren werden weitergegeben. Der Umsonstladen sei ausdrücklich kein Ort, an dem ungeprüfte Gegenstände einfach abgeladen werden könnten.
Die Waren stammen von Menschen, die aufräumen, sich verkleinern oder Dinge weitergeben möchten, die beispielsweise ihren Kindern nicht mehr passen. Für die abgegebenen Waren werden geringe Entgelte erhoben. Davon finanziert der Verein Miete, Strom und weitere Nebenkosten. Öffentliche Zuschüsse von Stadt oder Land erhält der Laden nicht, alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Sollten Überschüsse entstehen, werden diese an andere soziale Projekte in der Region weitergeleitet.
Eine wichtige Rolle spielt neben der sozialen Unterstützung die Nachhaltigkeit.
Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah bezeichnete den Umsonstladen als „großen Gewinn für Bad Münder und seine Ortsteile“. Sie hob hervor, dass sich der Nachhaltigkeitsgedanke in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt habe, gebrauchsfähige Dinge müssten nicht weggeworfen werden, sondern könnten weiter genutzt werden. Viele Menschen würden inzwischen bewusst nach gebrauchten Waren suchen, statt immer Neues zu kaufen. Gerade hochwertige Kleidung und Gegenstände könnten auf diese Weise mehrfach genutzt werden.
Doch der Umsonstladen ist mehr als ein Ort zum Bringen und Mitnehmen von Waren. Seit der Gründung gehört der sogenannte runde Tisch zum Konzept. Dort können Besucher Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch Menschen, die gerade nichts suchen und nichts abgeben möchten, sind willkommen. Aus einem Gespräch über eine Hose oder eine Jacke könne sich manchmal ein ganz anderer Kontakt entwickeln. Einsamkeit, persönliche Sorgen oder die Suche nach Unterstützung könnten dabei zur Sprache kommen. Der Laden wolle so Begegnungen ermöglichen und dem Alleinsein entgegenwirken.
„Begegnung und Nachhaltigkeit, Kommunikation“ – mit diesen Worten fasste Gründungsmitglied Petra Joumaah das Konzept zusammen.

Auch eine Besucherin, die bereits früher im Umsonstladen gewesen war, zeigte sich beeindruckt von der Resonanz. An einem Donnerstagnachmittag habe sie erlebt, wie viele Menschen Waren brachten und andere Dinge mitnahmen. Das Konzept werde „unheimlich gut angenommen“. Für sie sei der Laden wichtig, weil viele Familien Unterstützung benötigten. Gleichzeitig könnten Menschen Dinge aus ihren Kellern weitergeben, die andere noch gut gebrauchen könnten. Besonders die Kombination aus Hilfe und Nachhaltigkeit mache das Projekt aus.
Der neue Umsonstladen ist dienstags von 15 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Außerdem öffnet er an jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 12 Uhr.
Parkmöglichkeiten gibt es sowohl für Besucher als auch für Menschen, die Spenden vorbeibringen möchten. Und die kommen inzwischen nicht nur aus Bad Münder. Auch aus den Nachbarkommunen schauen Besucher regelmäßig vorbei.
Der Verein blickt nach der erfolgreichen Wiedereröffnung deshalb zuversichtlich nach vorn. Geplant sind künftig auch Veranstaltungen in den neuen, größeren Räumen. Nach dem anstrengenden Neustart soll der Staffelstab nun etwas ruhiger weitergetragen werden – mit neuen Ideen, guter Planung und weiterhin viel ehrenamtlichem Engagement.
Fotos: Christoph Huppert

