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Kunst trifft auf Humor im Museum Bad Münder

Kunst trifft auf Humor im Museum Bad Münder

Dienstag, 25. August 2026

Ein veganer Fettstuhl, ein verfremdetes Selbstbildnis und moderne Bildbearbeitung nach dem Vorbild Salvador Dalís: Die Ausstellung „Alte Meister humorvoll gesehen“ sorgt derzeit im Museum Bad Münder für einen ungewöhnlichen Blick auf bekannte Werke der Kunstgeschichte. Die Mitglieder des Forum Kunst Springe und Bad Münder haben sich dabei berühmte Vorbilder vorgenommen und diese auf ihre eigene Weise neu interpretiert. Humor ist ausdrücklich erwünscht.

18 der rund 32 Mitglieder der Interessengemeinschaft beteiligen sich an der Ausstellung. Sie hatten bei der Auswahl ihrer Vorbilder weitgehend freie Hand. Entstanden sind ganz unterschiedliche Arbeiten – von Acrylbildern über Collagen bis hin zu Assemblagen und Objekten. „Wir haben die Ausstellung ,Alte Meister humorvoll gesehen‘ genannt“, erläutert eine Vertreterin des Forum Kunst. Die Idee sei gewesen, das Museum „mit etwas Modernem und mit etwas Humorvollem zu bereichern“. Die Kunstwerke sollten deshalb nicht einfach bekannte Vorbilder kopieren. Sie wurden verfremdet, neu interpretiert und teilweise in einen völlig anderen Zusammenhang gestellt. „Mal was anderes zu machen“, sei gerade der Reiz des Projekts gewesen, heißt es aus dem Kreis der beteiligten Künstler. Die Vorgabe habe die Möglichkeit eröffnet, mit eigenen Ideen, Intentionen und Materialien einen anderen Weg im eigenen Gestalten zu gehen. Zu den ungewöhnlichsten Arbeiten der Ausstellung gehört zweifellos die Interpretation eines Werks von Joseph Beuys durch Shanti Rüger-Dege.

Sie hat sich den berühmten Fettstuhl des Künstlers vorgenommen – allerdings in einer zeitgemäßen Variante. „Ich mache ein Remake vom Fettstuhl von Joseph Beuys“, erklärt sie. Da die Ausstellung ausdrücklich humorvoll angelegt sei, habe sie sich für einen „veganen Fettstuhl mit Pflanzenmargarine und ein bisschen Knäckebrot“ entschieden. Das Originalmotiv wird damit nicht nur humorvoll verfremdet. Die Künstlerin verbindet ihre Arbeit auch mit aktuellen Themen. Bei Beuys sei Fett ein Energiespeicher gewesen, erläutert Rüger-Dege. Deshalb habe sie ihrem Objekt zusätzlich einen Stecker hinzugefügt – allerdings ohne ihn tatsächlich in eine Steckdose zu stecken. In Zeiten der Energiewende sei der Gedanke des Speicherns aktueller denn je, sagt sie. „Wir wollen ja alle mehr Energiespeicher haben, um den überflüssigen Strom zu speichern.“ Für Shanti Rüger-Dege ist die Kunst dabei mehr als ein Hobby oder bloßer Ausgleich. Nach ihrem Berufsleben als Psychologin und Psychotherapeutin widmet sie sich heute vor allem der Kunst. „Nee, das ist ’ne Leidenschaft“, sagt sie. Schon früher habe sie eigentlich Kunst machen wollen. Sie habe sich jedoch zunächst für das Studium der Psychologie entschieden. Nach dem Ende ihres Berufslebens sei für sie der Zeitpunkt gekommen, den früheren Wunsch wieder aufzugreifen. „Wenn ich jetzt damit aufhöre, dann kann ich mit Kunst anfangen“, sagt sie.

Auch Hans Ullmann aus Springe hat für die Ausstellung ein berühmtes Vorbild neu interpretiert. Sein Werk besteht aus drei verschiedenen Fotografien, die am Computer bearbeitet und zu einer neuen Aussage zusammengefügt wurden. Als Inspiration diente ihm ein Werk von Salvador Dalí. „Ich hab mir ein Stück von Salvador Dalí ausgesucht und mich von diesem Bild inspirieren lassen“, erklärt Ullmann. „Und so ist mein Bild entstanden.“ Gerade diese Verbindung von Kunstgeschichte und modernen Gestaltungsmöglichkeiten prägt die Ausstellung.

Die historischen Vorbilder werden nicht ehrfürchtig auf Abstand gehalten. Sie werden vielmehr zum Ausgangspunkt für eigene Ideen. Dass eine solche Ausstellung gerade im Museum Bad Münder stattfindet, ist ebenfalls Teil des Konzepts. Die Kunstwerke sind in die Dauerausstellung des Museums integriert. Damit sollen neue Blickwinkel auf die bekannten Räume entstehen und zugleich neue Besuchergruppen angesprochen werden. „Wenn man da was Neues mit reinbringt, lockt das natürlich ganz andere Leute an“, sagt einer der Veranstalter. Das gelte auch für Menschen, „die gar nicht unbedingt ins Museum gehen“. Eine ähnliche Erfahrung hatte das Museum bereits bei einer früheren Ausstellung gemacht, bei der Bilder mit Motiven aus Bad Münder und den Ortsteilen gezeigt worden waren.

Auch diesmal verbindet das Projekt regionale Kunstschaffende mit einem ungewöhnlichen Ausstellungsort.

Das Forum Kunst Springe und Bad Münder besteht seit 2018 und organisiert regelmäßig gemeinsame Ausstellungen. Bei „Alte Meister humorvoll gesehen“ handelt es sich überwiegend um erfahrene Hobby- und Laienkünstlerinnen und -künstler. Ein Kunststudium sei keine Voraussetzung. Entscheidend seien die Freude am Gestalten und die Bereitschaft gewesen, sich auf das ungewöhnliche Thema einzulassen. Die Ausstellung will deshalb auch keine kunsthistorische Lehrstunde sein. Vielmehr geht es darum, bekannte Bilder und Kunstwerke mit einem Augenzwinkern neu zu betrachten.

Ob Joseph Beuys mit veganem Fett, Salvador Dalí als Inspiration für digitale Bildbearbeitung oder andere berühmte Vorbilder in Collagen und Assemblagen – die Besucher sollen eigene Entdeckungen machen und dabei auch lachen dürfen. Die Ausstellung „Alte Meister humorvoll gesehen“ ist bis zum dritten Advent, dem 13. Dezember, im Museum Bad Münder zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gruppen können nach vorheriger Absprache auch außerhalb dieser Zeiten durch die Ausstellung geführt werden.

Fotos: Christoph Huppert

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