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Mit dem Rollstuhl nach Paris

Mit dem Rollstuhl nach Paris

Mittwoch, 04. November 2026

Trotz Multipler Sklerose und Demonstrationen in der französischen Hauptstadt: Eine Reise voller Eindrücke und guter Erfahrungen mit der Mobilitätshilfe der Deutschen Bahn

Von Christoph Huppert

Paris ist für viele Menschen eine Reise wert. Doch wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, muss eine solche Fahrt sorgfältig planen. Für Gabi Pionteck aus dem Raum Hameln war ihre Multiple Sklerose kein Grund, auf die französische Hauptstadt zu verzichten. Ihre Erfahrungen möchte sie mit anderen Menschen mit Behinderungen teilen.

Anlass war eine Einladung der Kunstplattform Artboxy, bei der Piontek Mitglied ist. Bei einer Vernissage im Carrousel du Louvre sollten drei ihrer abstrakten Bilder digital präsentiert werden. Einen Tag vor der Abreise wurde die Veranstaltung wegen Demonstrationen und Ausschreitungen abgesagt. Gemeinsam mit der Malerin Anna Hammer und einem Freund aus München entschied sie sich dennoch, die Reise anzutreten.

Gute Erfahrungen mit der Deutschen Bahn

Gabi Pionteck leidet seit 27 Jahren an Multipler Sklerose und ist für längere Strecken auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Umso wichtiger war die Organisation der Bahnfahrt.

Die Mobilitätshilfe der Deutschen Bahn hatte die Unterstützung beim Ein- und Umsteigen zugesagt. Bis auf eine kleinere Unstimmigkeit in Hannover funktionierte alles hervorragend. Mitarbeiter begleiteten sie zu den Zügen, halfen beim Umsteigen und kümmerten sich um das Gepäck. In Paris übernahm der französische Hilfsdienst die Unterstützung im Bahnhof.

„Die Bahnfahrt war völlig in Ordnung“, lautet ihr positives Fazit. Menschen mit Behinderungen sollten die vorhandenen Hilfsangebote kennen und rechtzeitig nutzen.

Paris im Ausnahmezustand

Die Demonstrationen prägten den Aufenthalt stärker als erwartet. Bereits am Samstag warnte das Hotel die Reisegruppe davor, ab 14 Uhr bestimmte Innenstadtbereiche aufzusuchen. Die Empfehlung war eindeutig: gefährdete Straßen meiden und rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Die Auswirkungen waren unübersehbar. Geschäfte verbarrikadierten Schaufenster und Eingänge mit Holz- und Sperrholzplatten, um sich vor möglichen Ausschreitungen zu schützen. Wo sonst Touristen durch die Straßen strömen, herrschte ungewohnte Leere. Viele Besucher und offenbar auch zahlreiche Pariser mieden die betroffenen Viertel.

Pionteck und ihre Begleiter hielten sich an die Warnungen und gerieten nicht in die Demonstrationen. Die angespannte Sicherheitslage zeigte ihnen jedoch, wie schnell eine Städtereise zur Herausforderung werden kann – besonders für Menschen, die auf einen Elektrorollstuhl und die Unterstützung anderer angewiesen sind.

Mit dem Rollstuhl durch die Weltstadt

Am Sonntag erkundeten die drei die französische Hauptstadt. Die Begleiter schoben Pionteck abwechselnd im Rollstuhl durch die Straßen. Die Route führte am Eiffelturm, am Arc de Triomphe und entlang der Champs-Élysées vorbei. Auch einen Blick auf den Louvre wollte sie unbedingt werfen, schließlich sollten dort ursprünglich ihre Bilder präsentiert werden.

Überrascht war sie, während ihrer Ausflüge keinen anderen Rollstuhlfahrer und auch keinen Rollator zu sehen. Das brachte sie zu der Frage, wie viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sich eine solche Reise nicht zutrauen.

Ein Höhepunkt war eine Schifffahrt auf der Seine mit Dinner. Den beleuchteten Eiffelturm vom Wasser aus zu erleben, sei unvergesslich gewesen. Gegen 23 Uhr kehrte die Reisegruppe ins Hotel zurück.

Mut machen und Erfahrungen weitergeben

Am Montag ging es mit der Bahn über Karlsruhe zurück nach Hannover. Auch diesmal funktionierte die organisierte Unterstützung nach Piontecks Einschätzung problemlos.

Die Reise hat ihr gezeigt, dass sich trotz erheblicher körperlicher Einschränkungen vieles verwirklichen lässt, wenn die Fahrt gut vorbereitet ist und die Unterstützung stimmt.

Auch ihr Engagement möchte sie fortsetzen. Pionteck hat sich bereit erklärt, für den Beirat für Menschen mit Behinderung in Hameln zu kandidieren. Dort will sie ihre Erfahrungen einbringen und sich für eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einsetzen.

Ihre Botschaft ist eindeutig: Man sollte sich trotz körperlicher Einschränkungen nicht alles verbieten. Hilfsangebote anzunehmen, sei keine Schwäche, sondern eine Möglichkeit, selbstständig unterwegs zu sein. Und manchmal führt dieser Weg sogar bis nach Paris.

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