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Cosmedien

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Montag, 20. September 2010

webcosmedienWenn das Unnennbare unnennbar bleibt

Mag Goethe das Mittelalter noch als „finster“ gegolten haben, so gilt das wohl kaum für jenen Meister Eckhart, dessen Geburtstag sich zum 750sten Male jährt. In diesem oder im nächsten Jahr, denn wenig ist belegt über die Biografie dieses außergewöhnlichen Klerikers und Philosophen. Die Wirkung seiner Texte jedoch reicht bis weit in die Gegenwart. So Stephanie und Christoph Haas, das „ensemble cosmedien“, in ihrer Einführung zum Konzert „Gott leuchtet in allen Dingen“ im Hamelner Münster.

Das Duo ermöglichte es den Konzertbesuchern, Zugang zur fernen, fremdartigen Welt mittelalterlicher Spiritualität zu gewinnen und ließ anhand einer kleinen Instrumentenkunde (Trommel, Streichpsalter, Glöckchen und Langhalslaute) sowie der musikalischen Formensprache die orientalischen Ursprünge und Einflüsse auf die Sakralmusik des Hochmittelalters deutlich werden.

Als deren Höhepunkt gelten die zweistimmige Liegeton-Organa der Notre-Dame-Schule. „Hier trifft erstmals – gegen den Widerstand der Kirchenväter – pulsierender Rhythmus auf die fließende Rhythmik der Gregorianik“, so Christoph Haas.

Ob mit der nach der pythagoreischen Zahlenlehre („Alles ist Zahl“) geordneten Komposition „Tetraktys“, mit Christoph Haas´ beeindruckendem Trommel- und Glöckchen-Solo „Enigma“, mit Stephanie Haas´ reinen, klaren gregorianischen Gesängen aus dem Kloster St. Gallen oder im zeitgenössischen „Versuch über die Sequenz ´Granum Sinapis´ von Daniel Glaus, dem Kantor des Berner Münsters, alle Stücke waren als Hommage an Meister Eckhart und seine erstaunlich moderne Philosophie gedacht. Der hatte festgestellt, dass „das Unnennbare (…) unnennbar“ bleibt, dass die Frage, warum der Mensch lebt, nur mit einem „weil er lebt“ zu beantworten sei, Leben mithin nur aus sich selbst heraus erklärbar sei.

„Statt spekulativer Rekonstruktionen der vermeintlichen Aufführungspraxis wollen wir Sakralmusik jener Zeit neu erlebbar machen“, so Stephanie Haas. Was brillant gelang, denn an diesem von Ruth Hegemann initiierten und organisierten Konzertabend wurde ein Stück des vermeintlich finsteren Mittelalters musikalisch gleichsam zum Strahlen gebracht.

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