Zeilen Sprung – Das Redaktionsbüro

05042 - 504 008

info@zeilen-sprung.de

Muslime Hachmühlen

Muslime Hachmühlen

Montag, 07. Februar 2011

webmushachm2„Wo Dein Schatz ist, da wird auch Dein Herz sein“, das ist das Thema des Sonntagsgottesdienstes im kleinen Gemeindegebäude neben der Hachmühler Kirche. Gekommen sind neben den Erwachsenen vor allem Kinder und Konfirmanden – und acht Gäste aus einer der beiden türkisch-islamischen Gemeinden aus Hameln.

Bild: Pastorin Frauke Kesper-Weinrich zeigt Hamelner Muslimen die Hachmühler Kirche

Die sieben Männer und eine Frau verfolgen mit Interesse, was Uta Herbst Kritisches über moderne Einstellungen und Werte zu sagen hat. „Man kann nicht zwei Herren dienen, also Gott statt Geld“, so ihr Fazit. „Stimmt“, sagt Yasin Akbas. Der 36-jährige Hessisch-Oldendorfer ist Dialogbeauftragter der türkisch-islamischen Gemeinde Hameln. „Wir sind derzeit etwa 600 Mitglieder“, berichtet er, „wobei allerdings auch die Familienmitglieder dazu gezählt werden.“ Obwohl er in Deutschland geboren sei, sagt er, sei es das erste Mal, dass er einem christlichen Gottesdienst mit Abendmahl beiwohne. Zwar seien die praktizierten religiösen Formen unterschiedlich, die vermittelten Werte dagegen weitgehend identisch.

„Wir beten fünfmal am Tag, aber die Werte sind dieselben, wir glauben auch an denselben Gott.“

Seit drei Jahren besuchen die Hachmühler Konfirmanden mit ihrer Pastorin Frauke Kesper-Weinrich regelmäßig die Moschee in Hameln. Kesper-Weinrich: „Die Jugendlichen leben zusammen mit muslimischen Mitschülern, da sollten sie auch andere religiöse Formen kennenlernen. Wer mehr weiß, hat weniger Angst vor Fremdem und lässt sich von Extremisten gleich welcher Art nicht ins Bockshorn jagen.“

Und die Hachmühler Konfirmanden wissen in Sachen Islam sehr gut Bescheid. „Bei denen gibt es einen Vorbeter und die anderen werfen sich auf die Erde und beten nach“, so der 13-jährige Julian, und Jone (14) berichtet, dass die Moscheen nur betreten werden darf, nachdem man sich im Waschraum gereinigt und die Schuhe ausgezogen hat.

Für Frauke Kesper-Weinrich sind die Gespräche mit den Hamelner Muslimen bei der mittäglichen Kartoffelsuppe „ein ersten kleiner zugleich aber auch großer Schritt, den unsere Gäste ganz bewusst getan haben.“

Unter der Anleitung der seit einigen Jahren eingerichteten islamischen Dialogbeauftragten seien die Hamelner Muslime zum ersten Mal „in einem ganz normalen Gottesdienst“ zu Gast. Zwar gibt es im Rahmen ökumenischer und interreligiöser Kontakte etwa im Hamelner Münster regelmäßig gemeinsame „Gottesdienste für die Religionen“, doch mit den Basisbesuchen vor Ort geht die Hachmühler Pastorin einen Schritt weiter und schafft so ein Stück mehr Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander.

Kesper-Weinrich stellt fest: „Es gibt viele dialog- und integrationswillige Menschen in beiden Gemeinden. Die wollen wir zusammenführen.“

„Vielleicht machen andere das ja nach“, hofft auch eine Teilnehmerin dieses bemerkenswerten Sonntagsgottesdienstes.

Weitere Einträge