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Christof Wackernagel liest aus seiner Traumtrilogie

Christof Wackernagel liest aus seiner Traumtrilogie

Dienstag, 20. September 2011

Christof Wackernagels Träume wiegen schwer. Äußerlich bringt das 603 Seiten-Buch im Großformat 31 x 42 Zentimeter ganze 4,5 Kilo auf die Waage, inhaltlich führt Wackernagels Traumtrilogie mit dem bezeichnenden Titel „es“ mitten hinein in die jüngste Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – als Traum, Halluzination und Tagtraum.

Wackernagel, Jahrgang 51, entstammt einer Basler Gelehrten- und Künstlerfamilie. Von 1967 bis 1977 als Schauspieler tätig, wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der RAF zehn Jahre lang inhaftiert. Heute arbeitet Wackernagel wieder als Schauspieler, wirkt in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen mit und lebt in Afrika und München.

Der Völksener Verleger Dietrich zu Klampen hat  Wackernagels monumentale Traumtrilogie  herausgebracht. Es sind die Ergebnisse einer vieljährigen Arbeit an Traumprotokollen, die Wackernagel in seiner Haft begonnen hatte. „Da hatte ich Zeit. Der Traumstoff war mein Material. Die nächtlichen Träume habe ich in den Tag hinein verlängert“, so der Autor, der sich während seiner Haft in einem schmerzhaften Prozess vom bewaffneten Kampf lossagte. Der habe ihn nämlich genau zu dem gemacht, was er habe bekämpfen wollen. Doch die  Gründe, die ihn zur Waffe hatten greifen lassen, bestünden fort. So wurde Wackernagel „zu einem Terroristen der Worte“ und schrieb die Geschichte seiner Generation.

Mit großer Resonanz, denn bei der ersten der vorerst auf acht Stationen ausgelegten Lesereise konnte der kleine Vortragsraum im Hermannshofer „Haus im Park“ die vielen neugierigen Zuhörer kaum fassen.

Er wolle „alles tun, um zu vermitteln, was wir dachten, fühlten, wollten, welche Utopien, welche Ziele wir hatte“, erläuterte Wackernagel. Doch nicht als dokumentarisch aufbereitete, vermeintlich objektive Wahrheit, sondern „literarisch verwandelt und verallgemeinert.“ Wackernagel: „Da müssen sie schon selber drauf kommen. Ich gebe Ihnen nur das Material.“ Es sei „die Entschleierung der Geschichte einer Generation in verschleierter Form“, so auch Dietrich zu Klampen.

Wackernagel stellt dieselben Geschehnisse in drei Spalten dar,  jeweils als Traum, Halluzination und Tagtraum. Das Traummaterial der ersten Spalte wird dabei in den beiden anderen in unterschiedlichem Mischungsverhältnis von Realität und Unterbewusstem verdichtet und verschoben.

Träume, so die Essenz des Abends, bringen Verdrängtes an die Oberfläche, und sie können Schutzräume sein, um nicht von den Widersprüchen zerrissen zu werden. Doch auch Wackernagel weiß: „ Wir sehen letztlich nur den winzigen Teil des Eisberges und je mehr wir erkennen, desto größer und bedrohlicher wird er.“ Träumen tut daher not.

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